Endlich handelt mal jemand. Lange Wartezeiten beim Arzt − verboten! Vierbettzimmer im Krankenhaus − verboten! Die Union will Ärzte und Kliniken an die Kandare nehmen und den Patienten das Leben erleichtern. Klingt toll.
Nur: Was macht ein Kranker eigentlich, wenn ihn die Praxis in der medizinischen Warteschleife schmoren lässt? Anzeigen wegen schlechtem Service? Und der Krebspatient, der nach der Operation im Vier-Bett-Zimmer landet? Sich an den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung wenden?
Ob solche Gesetze dem Patienten wirklich nutzen, steht in den Sternen. Dabei gäbe es eine Variante, die funktioniert. Denn wer sitzt sich im Wartezimmer den Hintern platt und landet im Vier-Bett-Zimmer? Der Kassenpatient! Und warum? Weil er den Praxen und Krankenhäusern weniger Geld einbringt als der Privatpatient. Der wird bevorzugt behandelt. Wer ein zu geringes Einkommen hat und sich bei der gesetzlichen Krankenkasse versichern muss, muss sich eben hinten anstellen.
Die Vernachlässigung von Kassenpatienten ist Ausdruck der Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland. Und die gehört abgeschafft. Wenn sich alle zu gleichen Bedingungen versichern müssen und für alle Patienten das gleiche Honorar gezahlt wird, gibt es keinen Grund mehr, die einen sofort zu behandeln und die anderen leiden zu lassen.
Doch für diese Lösung müsste sich die Bundesregierung mit den Privatversicherern anlegen. Und für die ist die Regierungspolitik gemacht. Nicht für die Patienten. Oder doch? Vielleicht sollte die Koalition mal drüber nachdenken.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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