Was mag in den Untersuchungsrichter Baltasar Garzón gefahren sein, dass er erst ein Verfahren gegen den spanischen Diktator Franco und seine Mitverschwörer wegen mehr als hunderttausendfachen Mordes startet und einen Monat später das Verfahren schon wieder abbläst? Ja, die Angeklagten sind lange tot. Aber das kann Garzón nicht erst in den letzten vier Wochen entdeckt haben. Wenn das sein Hauptargument ist, dann hätte er mit den Ermittlungen erst gar nicht beginnen dürfen.
Wahrscheinlich wollte der Richter nur aller Welt beweisen, dass die spanische Justiz nicht allein Verbrechen in den fernsten Winkeln der Welt von Chile über Guatemala bis Tibet verfolgt, sondern auch bereit ist, vor der eigenen Haustür zu kehren. Er wollte ein bisschen guten Willen zeigen.
Das ist nicht genug. Etwas Standhaftigkeit vor den eigenen Kollegen, die ihm vom ersten Tag an juristische Knüppel zwischen die Beine warfen, hätte dem Richter Garzón gut angestanden. Wer den guten Menschen von Madrid spielen will, der muss die Rolle auch bis zum Schluss durchhalten.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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