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Meinung
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26. November 2012

Zukunft des Journalismus: Abschwellender Internet-Gesang

 Von Harry Nutt
Aus einer "Alles-ist-jedem-möglich-Euphorie" sind Abschöpfungsmechanismen und Selbstausbeuter hervorgegangen. Foto: dapd

Frank Schirrmachers Revision der digitalen Revolution: Der FAZ-Herausgeber stellt fest, dass sich die Verheißungen des Internets nicht erfüllt hätten. Das betreffe auch den Journalismus.

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Das zeitliche Zusammentreffen von Piratenparteitag und dem allgemeinen und öffentlichen Entsetzen über das Zeitungssterben hat FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu einem großen Bocksgesang über die Verheißungen der digitalen Revolution veranlasst, in der wir uns alle befinden, aber in der noch niemand so richtig angekommen ist.

„Was ist zum Beispiel in Deutschland aus dieser Gründungs- und Alles-ist-jedem-möglich-Euphorie geworden?“ fragt Schirrmacher. „Was stimmt jetzt überhaupt an all den Thesen über eine Technologie, die alle sozialen und ökonomischen Beziehungen verändern würde – und was davon ist nichts anderes als Silicon Valleys größter Werbecoup der Weltgeschichte. Achtzig Millionen Deutsche, die über Nacht ihre eigenen Verleger, Drucker, Autoren werden konnten – welches Modell hat funktioniert? Wo ist der neue Pulitzer, Augstein, Suhrkamp? Wer hat profitiert? Wo gibt es das Blogger-, Startup-, Nachrichten- oder Kommunikationsmodell, das auch nur ansatzweise funktioniert? Was ist wirklich geschehen mit der ‚Demokratisierung von Information‘? An Versuchen hat es, wie jeder weiß, nicht gemangelt. Ihr Scheitern ist Legion.“

Statt der großen Kreativitätsmaschine sind pfiffige Abschöpfungsmechanismen entstanden, stellt der FAZ-Herausgeber nüchtern fest. „Tatsache ist: Die Informationsökonomie hat in ihrer heutigen Alpha-Version ausschließlich zum Entstehen industrieller Giganten geführt, zu Konzentrationsprozessen, die den Einzelnen immer häufiger zum Ausbeuter seines eigenen Ichs machen.“

Der gelassene Apokalyptiker

Und die Prognose des Silicon-Valley-Heiligen Kevin Kellys, „dass jeder von zu Hause seine 15 Megabyte Ruhm und seine sprudelnden Werbeeinahmen generieren könne, hat sich, und das ist gesetzmäßig in der neuen Ökonomie, weltweit nur für einige wenige erfüllt. Das Einzige, was einem auf Anhieb einfällt, ist das Internetprojekt der Millionärin Arianna Huffington, von AOL gekauft und dafür bekannt, dass es seinen Autoren keine Honorare zahlt.“ Und während sich die Zeitungen ob dieser Situation in umfangreichen Dossiers selbst Mut machen, gibt Frank Schirrmacher den gelassenen Apokalyptiker.

„‘Wie kann guter Journalismus überleben?‘, fragt die Wochenzeitung ‚Die Zeit‘ in ihrer neuesten Ausgabe. Das aber ist nicht die Frage. In einer Welt, in der man sich ausrechnen kann, welche Institutionen von der Atomisierung des öffentlichen Diskurses am meisten profitieren würden, wo Schattennetzwerke in einer Welt angeblicher Transparenz, wie Manuel Castells gezeigt hat, schneller wachsen als je zuvor, ist die entscheidende Frage: Wie kann eine Gesellschaft ohne guten Journalismus überleben? Jetzt, wo sich leider auch immer mehr Journalisten sich ihre sozialen Prognosen vom Silicon Valley und der Wall Street schreiben lassen, riskieren wir eine ganz einfache und ebenso gelassene Vorhersage: gar nicht.“

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