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Frankfurter Kinderschutzbund: Die Gräfin packt aus

In Folge des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule gerät der Kinderschutzbund in Frankfurt immer tiefer in Turbulenzen. Die Ex-Vorstandsvorsitzende fordert die augenblickliche Kündigung Lindemanns. Von Peter Hanack

Sylvia Gräfin zu Solms-Laubach hat ihren Rücktritt beim Kinderschutzbund mit der bislan unterlassenen  Kündigung des Bezirksgeschätsführers Florian Lindemann begründet.
Sylvia Gräfin zu Solms-Laubach hat ihren Rücktritt beim Kinderschutzbund mit der bislan unterlassenen Kündigung des Bezirksgeschätsführers Florian Lindemann begründet.
Foto: Georg Kumpfmüller

In Folge des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule gerät der Kinderschutzbund in Frankfurt (KSB) immer tiefer in Turbulenzen. Die zurückgetretene Vorstandsvorsitzende, Sylvia Gräfin zu Solms-Laubach, wirft dem geschäftsführenden Vorstand in einem Schreiben an die Frankfurter Rundschau vor, durch sein Verhalten die Interessen des KSB zu schädigen.

Der Vorstand müsse in der Auseinandersetzung mit dem bisherigen Bezirksgeschäftsführer Florian Lindemann "klare Verhältnisse schaffen", fordert zu Solms-Laubach. Er müsse die Notbremse ziehen und sich von Lindemann ohne weitere Verzögerung trennen. Geschehe dies nicht, sei zu befürchten, dass Mitglieder den Kinderschutzbund verließen, Sponsoren abspringen oder Ehrenamtliche ihre Arbeit einstellen würden.

Der heutige Vorstand verhalte sich "sehr eigenartig" und mache sich in der Öffentlichkeit "unmöglich". Zudem wirft zu Solms-Laubach dem stellvertretenden KSB-Vorstandsvorsitzenden und derzeitigen KSB-Sprecher Ludwig Salgo vor, die wahren Gründe für ihren Rücktritt zu verschweigen. Sie habe den KSB am 23. März nach vier Jahren an dessen Spitze verlassen, weil die Mehrheit des Vorstandes die von ihr geforderte Kündigung Lindemanns bis dahin wiederholt abgelehnt habe. Salgo hatte der Frankfurter Rundschau mitgeteilt, der Rücktritt von zu Solms-Laubach sei in unterschiedlichen Meinungen über betriebswirtschaftliche Angelegenheiten begründet gewesen.

Florian Lindemann, ehemaliger Schüler der Odenwaldschule (OSO), steht wegen seines Verhaltens bei der Aufdeckung von Missbrauchsfällen an der Schule in der Kritik. Er hatte 1999 als Vorsitzender des Altschülervereins die Veröffentlichung von Missbrauchsvorwürfen an den früheren OSO-Leiter Gerold Becker durch die FR scharf kritisiert.

KSB-Sprecher Salgo hatte der FR am 15. April gesagt, Lindemann sei mit sofortiger Wirkung gekündigt, dies habe der Vorstand zwei Tage zuvor einstimmig so beschlossen. Die Kündigung sei die "am wenigsten schädliche Alternative". Es habe die Gefahr bestanden, dass sonst das Markenimage des KSB beschädigt worden wäre.

Lindemann hatte kurz darauf durch seinen Anwalt Felix Damm schriftlich erklären lassen, eine Kündigung sei nicht ausgesprochen worden. Auf Nachfrage der FR erklärte Damm am Dienstag, dies sei auch bis dato nicht geschehen. Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sagte der FR gestern, seines Wissens gebe es keine Kündigung. Allerdings würden alle arbeitsrechtlichen Schritte unternommen, um sich von Lindemann zu trennen. Es sei dem Bundesverband und dem Landesverband doch noch gelungen, den Frankfurter Bezirk zu einer Trennung von Lindemann zu bewegen. Ludwig Salgo war für die FR nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Hilgers sagte, er bedauere den Rücktritt von zu Solms-Laubach sowie zwei weiterer Vorstandsmitglieder. Diese drei Personen hätten im Vorstand auf die Trennung von Lindemann gedrungen. Kurz nach der Vorstandsvorsitzenden waren auch Schatzmeister Reimar Witzel und die Beisitzerin Simone Helm-Rauser von ihren Ämtern zurückgetreten.

Autor:  Peter Hanack
Datum:  28 | 4 | 2010
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