In Bruchköbel hat es Mitte der 90er Jahre offenbar mindestens einen Fall von sexuellem Missbrauch durch einen katholischen Geistlichen gegeben, der vertuscht wurde. Der Tatverdächtige, ein Kaplan der katholischen Gemeinde Erlöser der Welt, soll sich nach Informationen der Frankfurter Rundschau an einem Jugendlichen vergangen haben. Er wurde auf den Vorfall hin lediglich in eine benachbarte Hanauer Gemeinde versetzt.
Während das Bistum Fulda sich bislang zu dem Fall nicht äußerte, zeigte sich der Pfarrer der zweiten katholischen Gemeinde in Bruchköbel, Sankt Familia, auf Anfrage der Frankfurter Rundschau betroffen. Er habe von dem Vorkommnis gewusst, es aber nur kirchenintern zur Anzeige gebracht, räumte Pfarrer Walter Götz am Donnerstag mit Bedauern ein.
Das sei "aus Rücksicht auf die betroffene Familie geschehen", obwohl "ich ein absoluter Gegner pädophiler Neigungen bin und damals schon der Ansicht war, solche Dinge gehören dem Staatsanwalt übergeben". Doch die Eltern hätten aus Angst vor öffentlichem Aufsehen und um den Jungen nicht noch weiter zu belasten, darum gebeten, die Sache auf sich beruhen zu lassen.
Nach Götz Kenntnis soll es seinerzeit innerhalb der Pfadfinderschaft mit Beteiligung des Kaplans zu Exzessen mit Alkoholkonsum gekommen sein. In diesem Umfeld habe sich wohl auch der Missbrauch des Minderjährigen ereignet. Weitere Details habe er, dienstrechtlich für den Diakon der Nachbargemeinde nicht zuständig, nicht ermittelt. Allerdings telefonierte Götz wegen der Vorgänge mit dem damaligen Personalverantwortlichen des Bistums Fulda, Weihbischof Johannes Kapp, wie er sich erinnert.
Bischof wollte kein Aufsehen
Im Rückblick empört den Pfarrer Kapps abwehrende Antwort noch mehr als damals: "Der Weihbischof sagte nur: Dann zeige Du ihn doch an." Er werde es jedenfalls nicht tun. Daraufhin sei die Geschichte im Sande verlaufen.
Es gibt Hinweise, dass die Ignoranz des Bistums dazu führte, dass weitere Minderjährige zu Missbrauchsopfern wurden. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau wurde der katholische Geistliche 1995 nur wenige Kilometer weit nach Hanau in die Gemeinde St. Elisabeth versetzt. Es soll dorthin bereits Verbindungen über die Pfadfinder gegeben haben. Von einem "Folgefall" ist die Rede.
Eine weitere Versetzung folgte, sonstige Konsequenzen sind nicht bekannt. Der Betreffende wurde Pfarrer in Fulda. Vom Bistum war dazu bislang keine Stellungnahme zu erhalten.
Die Haltung der Kirchenführung belaste ihn heute wie damals, sagt Pfarrer Götz: "Es wird einfach nur geschwiegen, totgeschwiegen. Man fühlt sich alleine gelassen."