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Sexueller Missbrauch
Katholische Kirche und Reformpädagogik im Zwielicht

06. März 2010

Missbrauch an Elite-Schule: "Sexuelle Dienstleister"

 Von Jörg Schindler
Odenwaldschule in Hessen.  Foto: Karl-Heinz Ph. Köppner

Ein Skandal um den Missbrauch von Schülern bahnt sich nun auch an einer Reformschule im Odenwald an. Bis zu 100 Opfer könnte es nach Ansicht Betroffener gegeben haben. Viele Prominente besuchten die Einrichtung. Von Jörg Schindler

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Der Vorstand der Odenwaldschule (OSO), einer Unesco-Modellschule in Heppenheim, hat nach Informationen der Frankfurter Rundschau "den jahrelangen Missbrauch von Schutzbefohlenen durch Pädagogen" eingeräumt. Schulleiterin Margarita Kaufmann sagte der FR: "Es ist für mich eine Tatsache, dass hier mindestens seit 1971 sexueller Missbrauch stattgefunden hat."

Ehemalige Schüler berichteten der FR davon, wie sie von Lehrern regelmäßig durch das Streicheln der Genitalien geweckt, wie sie als "sexuelle Dienstleister" für ganze Wochenenden eingeteilt, wie sie zu Oralverkehr gezwungen wurden. Einzelne Pädagogen hätten ihren Gästen Schüler zum sexuellen Missbrauch überlassen. Lehrkräfte hätten Schutzbefohlene geschlagen, mit Drogen und Alkohol versorgt oder beim gemeinschaftlichen Missbrauch eines Mädchens nicht eingegriffen.

Odenwaldschule in Hessen.
Odenwaldschule in Hessen.
 Foto: Karl-Heinz Ph. Köppner

Erste Vorwürfe gegen den langjährigen Rektor Gerold Becker, der die OSO von 1971 bis 1985 leitete und heute schwer krank ist, waren vor gut zehn Jahren publik geworden. Seinerzeit berichteten Ex-Schüler von massiven Übergriffen Beckers gegen 13-Jährige. Die Vorwürfe wurden aber nur halbherzig aufgegriffen. "Es war eine Unterlassung und ein grober Fehler, dass die Schule damals nicht nachgeforscht hat", sagt Kaufmann, die seit 2007 im Amt ist.

Sie selbst sei im vergangenen Jahr erneut von Altschülern angesprochen worden, die fürchteten, die Schule werde sich auch bei der 100-Jahr-Feier im April 2010 wieder ihrer Verantwortung entziehen. Daraufhin habe sie etliche Gespräche mit Exschülern geführt und dabei erst "das wahre Ausmaß" des Skandals erahnt. Kaufmann geht von mindestens drei Lehrern aus, die sich sexueller Übergriffe schuldig gemacht haben sollen. Von Zeugen habe sie "die Namen von 20 Opfern gehört". Nach FR-Recherchen gehen die betroffenen Altschüler von 50 bis 100 Missbrauchsopfern aus.

Dem Vordenker der Reformpädagogik und Lebensgefährten von Ex-Schulleiter Becker, Hartmut von Hentig, warfen die Betroffenen zumindest Mitwisserschaft vor. Im Gespräch mit der FR nannte von Hentig den Vorwurf "grotesk".

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