Die Zahl sexueller Übergriffe von katholischen Priestern auf Kinder und junge Menschen im Bistum Fulda ist allem Anschein nach höher als bisher von der Bistumsspitze angegeben. Das legt zumindest ein Schreiben mit Detailaussagen nahe, das der FR vorliegt.
Darin weist anonym ein "Noch-Katholik aus dem Bistum Fulda" auf Vorfälle hin, die in den achtziger und neunziger Jahren Tagesgespräche in den Kirchengemeinden Kleinlüder und Großenlüder im Westen des Landkreises Fulda waren. Zwei Geistliche, deren Namen der FR bekannt sind, sollen sich jahrelang Ministranten unsittlich genähert haben. Dazu gibt es noch Hinweise auf einen Juristen, Vorsitzender des kirchlichen Arbeitsgerichtes im Bistum Fulda, der bei seiner Tätigkeit unter anderem auch für pädophile Priester zuständig gewesen sein soll. Auf dessen PC seien Kinderpornos gefunden worden.
Die beiden Priester sollen nach Anzeigen von Betroffenen versetzt worden sein. Einer von ihnen soll sich dann erneut in Kassel an Messdienern vergangen haben. Sogar ein Ermittlungsverfahren gegen den damaligen Erzbischof Johannes Dyba habe es deswegen gegeben. Ein Fuldaer Gericht habe den zweiten Geistlichen 2001 zu einer Geldstrafe von 3000 Mark verurteilt. Es sei dann in ein Kloster versetzt worden.
Bistumssprecher Christof Ohnesorge bestätigt auf Anfrage einen Teil der Vorhaltungen. Der rückfällig gewordene Geistliche arbeite seit seiner erneuten Versetzung in der Altenseelsorge in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen und sei bislang auch nicht mehr auffällig geworden.
Im Falle des Juristen am kirchlichen Arbeitsgericht betont Ohnesorge, dass dieses Gericht nichts mit solchen Verfehlungen von Klerikern zu tun habe, mithin der damalige Vorsitzende auch nicht für solche Prozesse zuständig gewesen sein konnte.
Seinen Hauptberuf als Präsident des Hessischen Verwaltunggerichts in Kassel musste der allerdings nach dem Kinderpornografie-Fund aufgeben.