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Missbrauch in der Kirche: "Die Opfer im Blick behalten"

Ein Nottelefon soll die Alternative zu kirchlichen Ansprechpartnern bieten. Es soll helfen, die Opfer zu entlasten. Von Sabine Hamacher

www.wir-sind-kirche.de/
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Foto: Screenshot

Das "Wir sind Kirche"-Nottelefon für Opfer von sexuellem Missbrauch steht im Moment kaum still. "Das ist im Augenblick eine Zeit, wo viele sich erinnern und froh sind, sich aussprechen zu können", sagte Christian Weisner, Sprecher der katholischen Reformbewegung, am Montag der Frankfurter Rundschau. Wichtig sei, dass man die Opfer im Blick behalte. "Die Frage, welcher Bischof jetzt zurücktreten muss, ist nicht entscheidend", glaubt Weisner. In erster Linie wolle "Wir sind Kirche" die Opfer entlasten. Der Bewegung geht es vor allem um die psychologische Aufarbeitung, nicht um die juristische.

Das Nottelefon richtete "Wir sind Kirche" 2002 ein - als Reaktion auf die damals neuen Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz, die vorsehen, dass für Missbrauchsopfer Ansprechpartner in den Bistümern benannt werden müssen. Dass das dann häufig Personen innerhalb der Kirchenleitung waren, "hat uns sehr gestört", so Weisner; das Nottelefon sollte im Gegensatz dazu ein "niedrigschwelliges Kontaktangebot" für die Bedrängten sein.

In den vergangenen acht Jahren hätten etwa 300 Opfer angerufen - und auch ein paar wenige Täter. Die berichteten Übergriffe seien auf schätzungsweise 150 Täter zurückzuführen. "Überwiegend sind das Altfälle", sagt Weisner - meist verjährt. "Wir sind Kirche" dokumentiert die Vorfälle nicht und kann sie deshalb nicht regional zuordnen; dass aber Anrufer auch von Missbrauch berichtet hätten, der in die Zeit Joseph Ratzingers als Münchner Erzbischof falle - also von 1977 bis 1982 - sei mit "hoher Wahrscheinlichkeit" anzunehmen.

Die katholische Kirche und auch der Papst müssten das Problem nun mit Ehrlichkeit und Offenheit angehen, fordert Weisner. Viel zu lange habe die Bischofskonferenz sich auf ihrer Formel ausgeruht, die Leitlinien hätten sich bewährt. Dass plötzlich so viele Missbrauchsfälle überall in deutschen Bistümern ans Licht kommen - Weisner ist überzeugt: "Ohne den Auslöser Canisius-Kolleg wäre das nicht passiert."

Das Nottelefon ist unter 0180/3000862 (9 ct pro Minute) zu erreichen - oder per E-Mail: zypresse@wir-sind-kirche.de

Autor:  Sabine Hamacher
Datum:  8 | 3 | 2010
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