Neue Vorwürfe kommen aus dem nordhessischen Fritzlar. Dort ist ein Priester der Prämonstratenser aus Fritzlar von seinen Aufgaben in der Seelsorge entbunden worden, teilt das Priorat des Ordens mit. Nach Angaben der Missbrauchsbeauftragten hätten Eltern in einem Brief das fragwürdige Verhalten des Priesters in der Jugendarbeit gemeldet. Danach soll er auf Freizeiten darauf bestanden haben, dass Messdiener duschten. Er habe zugeschaut, wenn sie nackt unter der Dusche standen. Der Verdacht wird von der Staatsanwaltschaft in Kassel überprüft.
Im Bistum Fulda stehen mindestens zehn Priester und drei Laienmitarbeiter unter Verdacht. Der neueste Fall: Ein 59-jähriger Priester der Diözese Fulda wurde Anfang der Woche mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Ihm werden sexuelle Übergriffe gegenüber Jugendlichen zur Last gelegt, die er früher im Bistum Fulda begangen haben soll.
Im Bistum Limburg werden derzeit elf Verdachtsfälle gegen Priester und kirchliche Mitarbeiter untersucht. Anfang der Woche legte ein 61-jähriger Geistlicher einer Kirchengemeinde im Rhein-Lahn-Kreis sein Amt nieder. Er habe "grenzüberschreitendes Verhalten im Umgang mit jungen Leuten" eingeräumt, das 27 Jahre zurückliege, teilte das Bistum mit. In einem Schreiben habe er sein Verhalten bedauert und sich entschuldigt. Die Staatsanwaltschaft wurde eingeschaltet.
Als Reaktion schreibt Abteilungsleiter Michael Thurn vom Bistum Limburg in der Broschüre "Unsicherheit reduzieren - handlungsfähig bleiben": "In der Kinder- und Jugendarbeit des Bistums Limburg ist mit einer umfassenden Auseinandersetzung mit dem Thema Prävention vor sexuellem Missbrauch begonnen worden. Durch die bedrängende und schmerzhafte aktuelle Debatte um sexuellen Missbrauch in der Kirche verstärkt sich diese Notwendigkeit.
Uns zeigt sich derzeit eine spürbare Unsicherheit bei Priestern, Diakonen, pastoralen Mitarbeiter/innen und Ehrenamtlichen im Blick auf Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit, besonders in Bezug auf anstehende Sommerfreizeiten für Kinder und Jugendliche. Noch vor den Sommerferien bieten wir daher gemeinsam mit den Jugendkirchen und Katholischen Fachstellen für Jugendarbeit Veranstaltungen an sechs Orten im Bistum an. Dazu haben wir Fachkräfte aus Beratungsstellen gegen sexuellen Missbrauch als Kooperationspartnerinnen gewonnen."
Ziel dieser Veranstaltungen soll es sein, die Unsicherheit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zu reduzieren sowie Empfehlungen zu vermitteln, wie der Umgang mit ihnen auf Freizeiten gut gestaltet werden kann. Zudem sollen Mitarbeiter sensibilisiert werden, um mögliche Opfer unter den Teilnehmenden ebenso zu erkennen wie mögliche Täter unter den Jugendlichen oder Mitarbeitern. Außerdem soll geübt werden, auf Sorgen von Eltern angemessen zu reagieren.
Eine bundesweite Beratungs-Hotline ist für Menschen eingerichtet worden, die im Umkreis der katholischen Kirche Opfer sexuellen Missbrauchs wurden. Ansprechpartner sind geschulte Berater und Therapeuten. Die Hotline unter 0800/1201000 ist dienstags bis donnerstags, jeweils 13 bis 20.30 Uhr, erreichbar. (res/rah)