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Missbrauch: Papst fühlt sich verfolgt

Der Vatikan klagt über die "Verbissenheit" der Medien in der Missbrauchsdebatte. Der Papst selbst äußert sich beim Angelusgebet auf dem Petersplatz nicht zu dem Thema.

Der Papst ging nicht auf die Missbrauchsdebatte ein. Er ließ andere sprechen.
Der Papst ging nicht auf die Missbrauchsdebatte ein. Er ließ andere sprechen.
Foto: rtr

In der Debatte um sexuellen Missbrauch weist der Vatikan alle Verdächtigungen gegen Papst Benedikt XVI. entschieden zurück. Alle Versuche, ihn "mit einer gewissen Verbissenheit" persönlich in Missbrauchsfälle zu verwickeln, seien gescheitert, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi am Wochenende.

Die Vatikanzeitung Osservatore Romano wehrte sich in einem Gastkommentar gegen Angriffe auf die Kirche und ihre Leitung. Es werde mit "Verbissenheit" versucht, Missbrauchsfälle als besonders häufig in der Kirche darzustellen. Der Papst selbst äußerte sich am Sonntag beim Angelusgebet auf dem Petersplatz nicht zu dem Thema.

Zugleich erklärte ein Experte der Glaubenskongregation, dass der Vatikan eine Aufhebung der vom Kirchenrecht vorgesehenen zehnjährigen Verjährungsfrist für Missbrauchsdelikte erwägt.

Vatikansprecher Lombardi bekräftigte, der Papst habe in seiner Amtszeit als Erzbischof von München und Freising (1977 bis 1982) absolut nichts mit den Personalentscheidungen zu tun gehabt, die das Erzbistum selbst jetzt als falsch eingestufte. Ein pädophiler Priester war 1980 zur Therapie nach München gekommen und später durch eine Verfügung des damaligen Generalvikars Gerhard Gruber wieder in der Seelsorge eingesetzt worden. Nach 1982, dem Jahr des Wechsels Ratzingers nach Rom, wurde der Geistliche erneut sexuell straffällig.

Der Münchener Erzbischof Reinhard Marx versprach in der Bild am Sonntag eine umfassende "Aufklärung und Aufarbeitung" aller Vorfälle. Die Täter müssten sich ihrer Verantwortung stellen, und den Opfern solle Gerechtigkeit widerfahren. "Wir sehen uns darin von Papst Benedikt XVI. bestärkt", so Marx wörtlich. Im Zusammenhang mit der Missbrauchsdebatte wird auch weiter über den Zölibat diskutiert. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser und der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke stellten die Zölibatspflicht für Priester ebenso in Frage wie der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Zölibat und den Missbrauchsfällen in katholischen Einrichtungen sehen alle drei aber nicht.

Die Kirche müsse aber überlegen, ob es in ihr spezifische Bedingungen für den Missbrauch gebe. "Dazu gehört zweifellos eine Auseinandersetzung mit dem ganzen Thema Sexualität, angefangen vom Umgang damit bis hin zur Auswahl des kirchlichen Personals", sagte Glück.

Hamburgs Erzbischof Werner Thissen mahnte einen offenen Umgang mit dem Skandal an. "Denn alles, was unter den Teppich gekehrt wird, das fault, stinkt und verpestet die Atmosphäre. Das hat´s ja nun viel zu lange gegeben", sagte am Sonntag in einer vom ZDF übertragenen Predigt.

Nach Ansicht der katholischen Reformbewegung "Wir sind Kirche" ist eine Entschuldigung von Papst Benedikt XVI. überfällig. Mit seinem Schweigen am Sonntag habe der Benedikt "die Chance eines einfühlsamen Wortes leider abermals vertan." Dort sieht man auch weiteren Erklärungsbedarf zu Ratzingers Zeit als Münchner Erzbischof in den Jahren 1977 bis 1982. (kna/rtr)

Datum:  15 | 3 | 2010
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