An der Odenwaldschule (OSO) sind offenbar weitaus mehr Kinder sexuell missbraucht worden als bislang bekannt. Beim Betroffenen-Verein „Glasbrechen“ gingen bis heute neue Meldungen von Opfern ein, schreibt der „Glasbrechen“-Vorsitzende Adrian Koerfer in einem Gastbeitrag für die FR. Auch bei zwei von der Schule beauftragten externen Juristinnen hätten sich nach deren Untersuchungsbericht weitere missbrauchte Ex-Schüler gemeldet. Die offizielle Zahl von 132 Opfern sei daher nicht mehr als ein Zwischenstand, so Koerfer. „Wir gehen von etwa 500 Betroffenen aus.“
Das neue Führungsteam der einstigen Vorzeigeschule interessiere sich ebensowenig für das Ausmaß des Skandals wie das alte, schreibt Koerfer, der bis Mitte der 70er-Jahre OSO-Schüler war. „Ich muss bis heute erleben, wie sich die leitenden Gremien gegen eine vorbehaltlose, rücksichtsvolle, aber für die OSO schonungslose Aufklärung und ebenso gegen die notwendigen Konsequenzen entschieden haben.“
Mit Staunen habe er zur Kenntnis genommen, dass die Schule eine halbe Million Euro für Prävention und Aufklärung ausgegeben haben will. „Glasbrechen“ dagegen habe bislang nur 55.000 Euro erhalten, „für Kopierer und Papier“, wie ein Mitglied des Trägervereins in vollkommener Verkennung unserer Aufgaben sagte.
Im Vorstand des Trägervereins, schreibt Koerfer, säßen auch heute wieder Menschen, denen „das Wohl der Schule über das Wohl der Opfer geht“. „Glasbrechen“ sei in deren Augen vor allem ein Nestbeschmutzer. „Die meisten dort haben bislang weder das Ausmaß der Zerstörung von Seelen begriffen, noch ihre Verantwortung als Vertreter der Täterorganisation Odenwaldschule in akzeptabler Form wahrgenommen“. Für die Zukunft der Schule sehe sein Verein daher schwarz.