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Missbrauchsskandal an Odenwaldschule: Acht Täter, mindestens 33 Opfer

Die Rektorin der Reformschule wirft ihren Vorgängern "aktiven Täterschutz" vor. Die Zahl der Lehrer, denen die Schule sexuellen Missbrauch von Jugendlichen vorwirft, hat sich inzwischen auf acht erhöht. Von Joachim Wille

Für viele kein idyllischer Ort: Ehemalige Schüler und Schülerinnen berichten von Missbrauch an der Odenwaldschule.
Für viele kein idyllischer Ort: Ehemalige Schüler und Schülerinnen berichten von Missbrauch an der Odenwaldschule.
Foto: dpa

Im Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule hat nun auch die heutige Rektorin schwere Vorwürfe gegen die frühere Schulleitung erhoben. Zwei ihrer Vorgänger hätten die Aufklärung hintertrieben, sagte Margarita Kaufmann am Donnerstag.

Die früheren Schulleiter, Gerold Becker und sein Nachfolger Wolfgang Harder, der von 1985 bis 1999 im Amt war, seien entsprechenden Hinweisen von Eltern und Schülern nicht nachgegangen, sagte Kaufmann auf einer Pressekonferenz im südhessischen Ober-Hambach. Damit hätten die Schulleiter "aktiven Täterschutz" betrieben. Becker gilt selbst als einer der Haupttäter. Kaufmann benannte Harder allerdings nicht mit Namen. Sie habe versucht, mit ihrem Vorgänger Kontakt aufzunehmen. Das sei ihr nicht gelungen. Auch für die FR ist Harder bislang nicht erreichbar.

Die Leiterin der Odenwaldschule, Margarita Kaufmann.
Die Leiterin der Odenwaldschule, Margarita Kaufmann.
Foto: ddp

Die Zahl der Lehrer, denen die Schule sexuellen Missbrauch von Jugendlichen vorwirft, hat sich inzwischen auf acht erhöht. Bislang war offiziell von nur drei Tätern die Rede gewesen. Die Beschuldigten seien in den Jahren von 1961 bis 2001 an der Schule angestellt gewesen, berichtete Kaufmann. Zwei von ihnen seien bereits verstorben. Die Schule hat die Namen der Lehrer der Staatsanwaltschaft übermittelt und Hausverbote verhängt.

Viele Mädchen betroffen

Bei dem Internat haben sich inzwischen mindestens 33 ehemalige Schüler gemeldet, die missbraucht wurden. Die Zahl könnte weiter steigen, da die Schulleitung inzwischen alle Schulabsolventen angeschrieben hat und um Kontaktaufnahme bittet. Missbrauchsfälle seien für die Zeit von 1966 bis 1991 gemeldet worden, berichtete Kaufmann. Mädchen und junge Frauen waren stärker betroffen als bisher bekannt - in rund 40 Prozent der Fälle.

Die Opfer waren zur Zeit der Taten zwischen zehn und 19 Jahre alt. Kaufmann zeigte sich entsetzt über die Sexualverbrechen, die ihr von den Opfern geschildert wurden. Sie sei "zutiefst erschüttert" darüber, was jungen Menschen angetan worden sei. Es sei unfassbar, dass die Taten jahrzehntelang unentdeckt blieben. Sie bat die Ex-Schüler um "Vergebung".

Die Rektorin schilderte zwei Fälle. So sei ein zehnjähriger Schüler von Becker bis zu zweimal pro Woche missbraucht worden. Der Rektor habe den Schüler in den Arm genommen, "er zog ihm die Hose aus und befriedigte sich selbst". Im zweiten Fall soll ein Musiklehrer ein Mädchen zu "Zusatzübungen" in die Wohnung gelockt haben. Sie habe sich ausziehen müssen und er habe sie im Intimbereich gestreichelt.

Die Rektorin berichtete von einer "Flut von Zuschriften und Anrufen" von Bürgern, die kaum zu bewältigen sei. Es gebe "mehr Zuspruch als Kritik." Die Elternbeiratsvorsitzende Gabriele Vetter sagte, man habe "noch nicht einmal ansatzweise Anlass", der Odenwaldschule das Vertrauen zu entziehen. Man müsse nach vorne schauen. Das fand auch Schüler-Vertreter Max Priebe. "Wir müssen den Opfern gerecht werden. Aber ich mache am Freitag mein Abitur in Biologie."

Autor:  Joachim Wille
Datum:  12 | 3 | 2010
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