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Sexueller Missbrauch
Katholische Kirche und Reformpädagogik im Zwielicht

14. Januar 2013

Missbrauchsskandal Odenwaldschule: Zahlung an Opfer schmerzhaft gering

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Mahntafeln an einer Straße bei Ober-Hambach (Kreis Bergstraße) nahe der Odenwaldschule. Foto: dpa

Ehemalige Schüler und Mitarbeiter der Odenwaldschule kritisieren die zögerliche Auszahlung von Entschädigungen an die Opfer des Missbrauchsskandals. Der Druck auf die Schule wächst, die Opfer auch langfristig weiter zu unterstützen.

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Der Druck auf die Odenwaldschule wächst, die Opfer sexueller Gewalt an dieser Schule angemessen zu entschädigen und sie dauerhaft zu unterstützen. Entsprechende Forderungen erhoben am Wochenende ehemalige Schüler ebenso wie frühere Mitarbeiter der Schule.
Der Opferverein „Glasbrechen“ verlangte bei seiner Mitgliederversammlung am Wochenende, die mit Vertretern des Trägervereins ausgehandelte zusätzliche Summe von 50.000 Euro für die Arbeit mit Betroffenen als dringende Hilfe für in Not befindliche Opfer „unverzüglich“ ausgezahlt werden solle. Die Zahlung könne aber nur ein Anfang sein. Es bestehe noch „weiterer Klärungsbedarf“ bei der Vereinbarung, deren Entwurf Vertreter beider Seiten vor einer Woche unterzeichnet hatten.

Bisher 300.000 Euro ausgezahlt

Der Verein „Glasbrechen“ will die Opferberatung, Betreuung und Prävention langfristig betreiben. Ob es sich bei der weiteren Finanzierung durch die Odenwaldschule „um fortlaufende monatliche Zahlungen oder um jeweils signifikante Jahresbeiträge“ handele, solle in Nachverhandlungen geklärt werden.

Mehr als 130 Kinder und Jugendliche waren von den 60er- bis in die 90er-Jahre Opfer von systematischem sexuellen Missbrauch an der reformpädagogischen Schule in Südhessen geworden. Viele von ihnen haben sich im Verein „Glasbrechen“ zusammengeschlossen.

Die Schule hatte für Zahlungen an die Opfer die Stiftung „Brücken bauen“ gegründet, die bisher nach Angaben der Schule rund 300.000 Euro ausgezahlt hat. Die Stiftung wird aber nicht von allen Opfern anerkannt. „Glasbrechen“ hatte bisher gut 60.000 Euro erhalten und soll durch die jüngste Vereinbarung weitere 50.000 Euro bekommen. Ihre Mitgliederversammlung nannte diese Summe „schmerzhaft gering“. Das ausgehandelte Ergebnis sieht auch vor, dass Opfer über „Glasbrechen“ Zahlungen von der Stiftung beantragen können.

Herumlavieren beklagt

Der Vorsitzende des Trägervereins der Schule, Gerhard Herbert, sagte der Frankfurter Rundschau am Sonntag: Wenn vom Verein gesagt wird, „es gibt Nachbesserungsbedarf, dann muss man sich eben zusammensetzen.“ Er fände es aber schade, dass die Vereinbarung zwischen den Unterhändlern beider Organisationen nicht vollständig vom Opferverein akzeptiert werde.

Der frühere Lehrer Salman Ansari und drei weitere ehemalige Mitarbeiter der Odenwaldschule erhoben am Wochenende Vorwürfe. Sie bedauerten, dass „bis heute keine nennenswerten Handlungen zur Wiedergutmachung der geschehenen Gräuel erfolgt“ seien. So gebe es keine individuelle Einschätzung der jeweils aktuellen Lebenssituation der Opfer und keine Beratung und Unterstützung für ihr weiterführendes Leben.

Die finanzielle Hilfe sei gemessen am Ausmaß der Taten rudimentär. Die Ex-Mitarbeiter beobachteten ein „Herumlavieren der Odenwaldschule, ihr Wegducken und den Versuch des Aussitzens dieser für alle beschämenden Situation“. So formulierten Salman Ansari, Barbara Bastian, Reiner Prinz und Christiane Wolf ihre Kritik. Geschützt werde die Institution, nicht die damaligen Kinder, die heute zwischen 35 und 60 Jahren alt seien.

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