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Missbrauchsskandal: Rückendeckung aus Rom

Papst Benedikt XVI. findet es in Ordnung, wie die deutschen Katholiken mit dem Missbrauchsskandal umgehen. Den Tätern rät Bischof Zollitsch jetzt zur Selbstanzeige. Von Kordula Doerfler

Frankfurter Rundschau vom 13. März 2010.
Frankfurter Rundschau vom 13. März 2010.
Foto: Thomas Plaßmann

Rom. 45 Minuten saßen sie zusammen und sprachen unter vier Augen. Mit angeblich "wachem Interesse, großer Betroffenheit und tiefer Erschütterung" hörte Papst Benedikt dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch zu, wie dieser berichtete, wie Amtsträger der katholischen Kirche in Deutschland Kinder missbraucht haben.

Das Gespräch, so Zollitsch später, sei vertrauensvoll verlaufen, und der Papst habe ihm "volle Unterstützung" auf dem eingeschlagenen Weg versichert. Auch in Rom entschuldigte sich Zollitsch noch einmal bei den Opfern. "Wir wollen die volle Wahrheit ans Licht bringen und eine ehrliche Aufdeckung, frei von Rücksichtnahme", sagte er. "Die Opfer haben ein Recht darauf." Das gelte auch für Fälle, die schon verjährt seien. Kein einziger Fall sei zu entschuldigen. Er bekräftigte auch die Bereitschaft, mit den Strafverfolgern zusammenzuarbeiten: "Wir raten allen Geistlichen, Kirchenmitarbeitern und Ehrenamtlichen zur Selbstanzeige."

Römische Gespräche: Robert Zollitsch (li.)  beim Papst.
Römische Gespräche: Robert Zollitsch (li.) beim Papst.
Foto: afp

Der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) fordert eine solche Entschuldigung auch vom Papst selbst. Eine solche Geste sei mehr wert als einige tausend Euro Entschädigungszahlungen, sagte Thierse am Freitag dem RBB-Inforadio.

Persönlich eingreifen wie in Irland wird der Papst in Deutschland aber nicht, obwohl man auch im Vatikan nervös ist wegen der Welle von Skandalen, die mittlerweile auch die Niederlande und Österreich erschüttern. Deutschland, so Zollitsch, sei aber das erste Land gewesen, in dem die Kirche parallel zu den Richtlinien der Glaubenskongregation in Rom im Jahr 2001 eigene Regeln für den Umgang mit Missbrauch erlassen hat, die seit dem Jahr 2002 angewendet und jetzt präzisiert werden sollen. Auch die Bischöfe, so versicherte Zollitsch, würden sich ihrer Verantwortung stellen, und er verwies auf den neuen Beauftragten für das Thema Missbrauch, den Trierer Bischof Stephan Ackermann. Über die Frage von Entschädigungen werde derzeit noch beraten.

Hilfe von außen, erklärte er auf Nachfragen, brauche man derzeit nicht. Noch etwas schärfer hatte das am Donnerstag der Regensburger Bischof Ludwig Müller in Rom formuliert: Die deutschen Bischöfe bräuchten keine Hilfe vom Papst. Zugleich hatte Müller die Medien wegen übertriebener Darstellung des Themas angegriffen; ein Vorwurf, vor dem sich Zollitsch hütete.

Allerdings unterstrich er, dass Missbrauch von Minderjährigen kein alleiniges Problem der Kirche sei, auch wenn Übergriffe von Priestern wegen ihrer besonderen Verantwortung auch besonders verwerflich seien. Der Papst hat sie mehrfach als "abscheuliches Verbrechen" bezeichnet - zuletzt gegenüber den irischen Bischöfen im Februar in Rom. Sie hatten es mit den Richtlinien der Kirche nicht allzu genau genommen und Übergriffe von Geistlichen an Tausenden von Minderjährigen systematisch vertuscht.

Zölibat als Geschenk

Gemäß den Richtlinien, die noch unter Papst Johannes Paul II. verabschiedet wurden, müssen "besonders schwere Fälle" sofort nach Rom gemeldet werden, ansonsten obliegt die Aufklärung zunächst den zuständigen Bistümern.

Präfekt der Glaubenskongregation war damals Joseph Ratzinger, den das heikle Thema auch während seines Pontifikats nicht mehr loslässt. Bei seiner Reise in die USA traf Benedikt XVI. 2008 als erster Papst überhaupt Opfer von sexuellem Missbrauch.

Zwar werden derzeit auch die Richtlinien des Vatikans überarbeitet, nicht zur Debatte steht für den Papst aber das Zölibat. Für ein erfülltes Priesterdasein, so der Papst gestern, sei es unerlässlich und ein "heiliges Geschenk".

Autor:  Kordula Doerfler
Datum:  12 | 3 | 2010
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