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Missbrauchsskandale: Reue und Abwehr

Münsters Bischof Felix Genn hat die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche "von Herzen um Vergebung" gebeten. In Rom lehnt Kurienkardinal Kasper die Zölibatsdebatte ab.

Frankfurter Rundschau vom 26. März 2010.
Frankfurter Rundschau vom 26. März 2010.
Foto: Thomas Plaßmann

Münsters Bischof Felix Genn hat die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche "von Herzen um Vergebung" gebeten. Mit einem Bußakt eröffnete er am Montag im Dom die Chrisam-Messe zur Weihe der heiligen Öle. Ihn bewegten "tiefe Erschütterung, Beschämung und Schmerz", sagte der Bischof.

Die Kirche müsse sich dem stellen, was durch Priester und Ordensleute an "Verwüstung in den Herzen und Seelen von jungen Menschen" angerichtet worden sei. Das sei ein höchst schmerzlicher, aber notwendiger Prozess. Angesichts der Missbrauchsfälle denke er auch an die zahlreichen "treuen Mitbrüder", die redlich ihren Dienst versähen, so Genn. Sie machten jetzt die Erfahrung, einem Generalverdacht ausgesetzt zu sein. "All dies zeigt mir das Ausmaß der Zerstörung, die Schuld und Versagen anrichten können." Jetzt sei die Kirche gefordert, "wahrhaft Buße zu tun, in Stellvertretung und Sühne für all das, was geschehen ist".

Noch am Montag kamen Meldungen von weiteren Missbrauchsfällen von Geistlichen: Das Bistum Essen hat einen 79 Jahre alten Priester wegen Missbrauchsvorwürfen beurlaubt. Gegen den Geistlichen sei eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet worden, teilte das Bistum am Montag mit. Es geht um einen Vorfall, der sich Anfang der 1970er Jahre zugetragen haben soll. Der Fall wurde auch der Essener Staatsanwaltschaft gemeldet, dürfte aber strafrechtlich verjährt sein.

In Weimar soll ein einschlägig vorbestrafter Priester aus dem Bistum Fulda, der zur Bewährung ins thüringische Weimar versetzt wurde, im Jahr 2000 ein Mädchen in einer Sakristei sexuell belästigt haben. "Die Strafanzeige ist letzte Woche bei uns eingegangen", sagte Harry Wilke, Sprecher der Staatsanwaltschaft Fulda, am Montag. Da sich die Tat in Thüringen ereignet haben soll, werde die Anzeige an die Staatsanwaltschaft in Erfurt weitergeleitet. Der Pfarrer war von 1997 bis 2004 in Weimar tätig.

In Rom hat Kardinal Walter Kasper unterdessen die neue Zölibatsdebatte als eine Instrumentalisierung des Pädophilieskandals zurückgewiesen. Die verpflichtende Ehelosigkeit katholischer Priester in die Diskussion zu ziehen, sei ein "Missbrauch der Missbrauchsfälle", sagte der deutsche Kurienkardinal und Präsident des päpstlichen Ökumenerates im Interview mit der italienischen Tageszeitung La Stampa. "Es ist erwiesen, dass die Pädophilie in keinerlei Zusammenhang mit der uralten Tradition steht, die Priester am Heiraten hindert", sagte Kasper dem Blatt. (kna/dpa)

Datum:  29 | 3 | 2010
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