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Odenwaldschule: Ermittlungen gegen drei Ex-Lehrer

Das Kultusministerium will disziplinarrechtlich gegen ehemalige Lehrer vorgehen. Eine Mitschuld an der Verschleppung des Skandals streiten die Aufsichtsbehörden ab. Von Peter Hanack

Das Land Hessen will disziplinarrechtlich gegen drei Ex- Lehrer der Odenwaldschule vorgehen. Ihnen wird sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen beziehungsweise aktiver Täterschutz vorgeworfen. "Selbst wenn die Vorkommnisse strafrechtlich verjährt sein sollten, ist eine disziplinarrechtliche Ahndung noch immer möglich", sagte Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) am Donnerstag im Schulausschuss des Landtags. Möglich sei etwa, Ruhebezüge zu streichen.

Unter den Beschuldigten befindet sich der ehemalige Leiter der Odenwaldschule, Wolfgang Harder. Er soll Mitte der 80er Jahre Hinweisen auf sexuelle Übergriffe an Schülern durch seinen Vorgänger Gerold Becker nicht nachgegangen sein. Harder ist Initiator der "Blick über den Zaun"-Schulen und inzwischen pensioniert.

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Ermittelt wird laut Henzler gegen einen weiteren pensionierten Lehrer sowie einen Beamten, der im Jahr 2001 in ein anderes Bundesland gewechselt sei. Inzwischen sind an der Odenwaldschule mindestens acht Beschuldigte und mehr als 30 Opfer namentlich bekannt. Die Missbrauchsfälle stammen aus den Jahren 1966 bis 1991.

Am 17. November 1999 hatte die Frankfurter Rundschau über die Vorkommnisse an der Odenwaldschule berichtet. Daraufhin, so Henzler, habe das Kultusministerium am 18. November alle Verträge mit Becker gekündigt, der unter anderem als leitender Mitarbeiter am Hessischen Institut für Bildungsplanung und Schulentwicklung tätig war.

Behörden streiten Mitschuld an Verschleppung ab

"Damals ging man von einem Täter und zwei Opfern aus", sagte Kultusstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU). Auch folgende Ermittlungen der Schulaufsicht und der Staatsanwaltschaft hätten keine Hinweise auf weitere Beteiligte ergeben. Das ist erstaunlich: Hatte doch die FR bereits 1999 fünf Opfer mit entsprechenden Vorwürfen zitiert.

Ein Versagen der Schulaufsicht wollen aber weder Henzler noch Brockmann erkennen. Erst mit der Berichterstattung der FR am 6. März dieses Jahres über weit mehr Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule sei das Thema wieder ins Bewusstsein gerückt.

Henzler zeigte sich "erschüttert und zutiefst entsetzt darüber, wie Erwachsene, die sich als Pädagogen bezeichnen, mit Kindern umgegangen sind." Missbrauch sei eines der schrecklichsten Verbrechen, Toleranz dürfe es dort nicht geben. Mitschuldig seien Vorgesetzte, die Taten vertuschten.

Sie kündigte eine Ergänzung des Schulgesetzes an. Jeder Verdacht solle angezeigt werden, schulinterne Regelungen dürfe es nicht geben. Schulamtsmitarbeiter werden nun alle 33 Internate besuchen und über Prävention sprechen.

Autor:  Peter Hanack
Datum:  19 | 3 | 2010
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