Die Leiterin der von einem Missbrauchsskandal erschütterten Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim, Margarita Kaufmann, tritt zum Ende des Schuljahres von ihren Aufgaben zurück. Die 56-Jährige werde sich künftig ganz der Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe widmen, teilte die Schule am Mittwochabend mit. Es habe sich gezeigt, dass diese Trennung Sinn mache.
An der bekannten Reformschule waren einem Bericht zufolge über 130 Schüler von ihren damaligen Lehrern sexuell missbraucht worden. Die Taten liegen Jahrzehnte zurück und sind verjährt. Der Skandal war im März 2010 erneut an die Öffentlichkeit gekommen.
Kaufmann hatte sich öffentlich immer für eine schonungslose Aufarbeitung der Übergriffe eingesetzt. Sie war zuletzt von Oktober 1999 bis Ende September 2007 Kultur-Bürgermeisterin in Friedrichshafen am Bodensee. Dann wechselte sie zur Odenwaldschule.
Die Aufarbeitung des Skandals ist in den Händen von Frau Kaufmann außerordentlich gut aufgehoben“, hieß es. Sie bleibe Mitglied der Schulleitung. Über eine Nachfolge wurde nichts bekannt. Kaufmann ist derzeit krankgeschrieben.
Im Zuge ihrer Neuausrichtung will sich die Odenwaldschule demnächst auch von etwa zehn Mitarbeitern trennen. Diese - unter ihnen Lehrer - seien nicht ausdrücklich bereit, das Zukunftskonzept des Internats mit mehr Transparenz und Prävention mitzutragen. Mit der Beendigung der Arbeitsverhältnisse verliere die Schule etwa zehn Prozent ihrer Beschäftigten. Die Stellen sollen Zug um Zug wieder besetzt werden.
Derzeit arbeite die Schulpädagogin Katrin Höhmann zusammen mit dem Lehrerkollegium an der Weiterentwicklung des Internats. Die Professorin sei dafür von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg freigestellt worden, hieß es. Ein erster Bericht soll noch im Sommer vorgelegt werden.
Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals hat die Odenwaldschule inzwischen nach eigenen Angaben rund 400.000 Euro ausgegeben. Allein 150.000 Euro stünden der schuleigenen Stiftung zur Verfügung. Rund 70 000 Euro seien dem Opfer-Verein „Glasbrechen“ zugutegekommen. Die gleiche Summe sei für die juristische Aufarbeitung und für Rechtsberatungen aufgewandt worden. (dpa)