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Odenwaldschule: Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Darmstädter Staatsanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren ein, um die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule zu klären. Die Schulleiterin entschuldigt sich. Von Pitt von Bebenburg

Die Leiterin der Odenwaldschule entschuldigt sich.
Die Leiterin der Odenwaldschule entschuldigt sich.
Foto: rtr

Wiesbaden. Die Darmstädter Staatsanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren ein, um Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs an Schülern an der Odenwaldschule aufzuklären. Das kündigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Ger Neuber, am Montag an. Anlass für die Ermittlungen sei "die Tatsache, dass wir jetzt über die Schulleitung erfahren haben, dass neben dem ehemaligen Schulleiter drei weitere frühere Lehrer beschuldigt werden", sagte Neuber der FR.

Ein früheres Ermittlungsverfahren gegen Ex-Schulleiter Gerold Becker sei vermutlich eingestellt worden, sagte Neuber. Dies sei aber derzeit nicht genau bekannt, da es keine Akten mehr dazu gebe. Aufgrund der Aktenordnung hätten Unterlagen vernichtet werden müssen, wenn es eine Einstellung gegeben habe.

Die Taten an Schülerinnen und Schülern sollen in den 70er und 80er Jahren begangen worden sein. 1999 wurden die Vorgänge durch einen FR-Bericht bekannt.

Die damalige Kultusministerin Karin Wolff (CDU) widersprach jetzt dem Eindruck, sie habe im Jahr 1999 nicht angemessen auf die Vorwürfe reagiert. Von Seiten ihres Ministeriums sei "das Notwendige gemacht worden", sagte Wolff der FR am Montag.

Arbeitsgruppe eingesetzt

Das Ministerium habe dem zuständigen Schulamt seinerzeit den Auftrag erteilt "zu prüfen, was da gemacht werden muss", sagte die ehemalige Ministerin. "Was bei uns lag im Ministerium, das haben wir gemacht." Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft habe sich herausgestellt, dass die Vorwürfe strafrechtlich bereits verjährt gewesen seien. Ob es einen Abschlussbericht des Schulamts oder des Ministeriums in der Sache gegeben habe, könne sie nicht mehr sagen.

Karin Wolff betonte jedoch, sie habe "auf der Stelle" dafür gesorgt, dass der verdächtige Schulleiter nicht weiter als Berater für das Ministerium und die staatlichen Schulen tätig gewesen sei. "Der hat keinen Fuß mehr reingekriegt", betonte sie.

Damals und heute sei es Sache des Trägers der Schule, Ansprechpartner für Schüler zu sein. "Das ist nicht Sache des Ministeriums." Auch jetzt müsse der Träger die Aufklärung voranbringen. "Da hat die Schulleiterin sich sehr klar und sehr offen positioniert, und das finde ich auch gut", so Wolff.

Ihre Nach-Nachfolgerin Dorothea Henzler (FDP) setzte am Montag eine Sonderarbeitsgruppe unter Leitung von Staatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann (CDU) ein. Sie soll Akten sichten und ehemalige Mitarbeiter befragen, um die damaligen Vorgänge zu rekonstruieren. Kultusministerin Henzler betonte: "Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Aufklärung, müssen dabei aber auch sehr gründlich vorgehen. Ich bitte deshalb um Verständnis, dass eine genaue Überprüfung des Sachverhalts voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen wird." Sie wolle spätestens im zuständigen Landtagsausschuss Ergebnisse vorlegen, der am Donnerstag nächster Woche tagt.

Die hessische Opposition dringt darauf, Vorkehrungen gegen weiteren sexuellen Missbrauch in Schulen oder Kinder- und Jugendeinrichtungen zu treffen. "Da muss der Fokus drauf liegen", sagte der Grüne Marcus Bocklet.

Die SPD fordert, Schulen besser für den Umgang mit sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt zu rüsten. Im hessischen Schulgesetz fehle eine Regelung für solche Fälle, sagte der SPD-Jugendpolitiker Gerhard Merz am Montag der FR. Nach seinen Vorstellungen könnte das Kinder- und Jugendhilfegesetz als Vorbild dienen, in dem der "Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung" formuliert ist. Lehrer müssten in ihrer Ausbildung oder in Fort- und Weiterbildung auf das Thema vorbereitet werden, verlangte Merz.

Autor:  Pitt von Bebenburg
Datum:  8 | 3 | 2010
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