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Sexueller Missbrauch
Katholische Kirche und Reformpädagogik im Zwielicht

06. März 2013

Odenwaldschule: Umbruch an der Odenwaldschule

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Bis in die 90er Jahre wurden an der Odenwaldschule mehr als 130 Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Gewalt. Foto: dpa

Schulleiterin und Internatsleiter der durch sexuellen Missbrauch in Verruf geratenen Odenwaldschule werden das Internat im kommenden Sommer verlassen. Der Grünen-Familienpolitiker Marcus Bocklet spricht von einer „bedenklichen“ Entwicklung.

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Schulleiterin und Internatsleiter der durch sexuellen Missbrauch in Verruf geratenen Odenwaldschule werden das Internat im kommenden Sommer verlassen. Der Grünen-Familienpolitiker Marcus Bocklet spricht von einer „bedenklichen“ Entwicklung.

In der Odenwaldschule steht ein Führungswechsel an. Im Sommer verlassen jene beiden Personen aus dem dreiköpfigen Leitungsteam die Schule, die erst nach Beginn der Debatte über den jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch 2010 hinzugekommen waren: Schulleiterin Katrin Höhmann und Internatsleiter Roland Kubitza.

Die Schule teilte mit, der 49-jährige Kubitza beende seine Tätigkeit. Er habe „wichtige strukturelle Veränderungen durchgesetzt und sich insbesondere für die Themen Prävention und Intervention an der Odenwaldschule engagiert“. Man bedaure seinen Entschluss, die Schule zu verlassen, und werde „umgehend“ wieder eine Fachkraft einsetzen. Der Vorsitzende des Trägervereins, Gerhard Herbert, sagte, Kubitzas Kündigung sei „völlig überraschend“ gekommen.

„Missbrauch erschwert“

Bis in die 90er Jahre waren an der reformpädagogischen Schule mehr als 130 Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Gewalt geworden. Als Haupttäter gilt der frühere Schulleiter Gerold Becker. Die Frankfurter Rundschau deckte die Vorgänge auf.

Zu den Konsequenzen gehörte eine Entflechtung von Schul- und Wohnbereich. Kubitza war der erste Internatsleiter in dieser Konstruktion. Adrian Koerfer vom Opferverein „Glasbrechen“ sagte, Kubitza sei ausersehen gewesen, die Strukturen so zu verändern, „dass sexuelle Übergriffe und Missbrauch in den Heimfamilien erschwert werden“.

Die kommissarische Schulleiterin Höhmann hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass sie nur bis Sommer 2013 bleiben würde. Sie ist Professorin an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Von dort kommt auch ihr Nachfolger Siegfried Däschler-Seiler.

Damit bleibt nur der 60-jährige Geschäftsführer Meto Salijevic im Amt, der schon vor dem Aufkommen der ersten Verdachtsfälle im Jahr 1999 an der Odenwaldschule tätig war. Der Grünen-Familienpolitiker Marcus Bocklet, der sich für die Aufklärung der Missbrauchsfälle starkmacht, sprach von häufigem Personalwechsel in Vorständen und Schulleitungen an der Odenwaldschule, den er „bedenklich“ finde.

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