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Odenwaldschule: Von Rücktritt keine Spur

Der Vorstand der Odenwaldschule ist gespalten: Von Rücktritt soll keine Rede sein. Die Rektorin gibt der Politik eine Mitschuld - "es gab Tendenzen zur Bagatellisierung". Von Jörg Schindler

Keine Idylle mehr: Die Odenwaldschule in den siebziger Jahren.
Keine Idylle mehr: Die Odenwaldschule in den siebziger Jahren.
Foto: ddp

Im Vorstand der Odenwaldschule (OSO) herrschen offenbar Meinungsverschiedenheiten über den Ausweg aus der Krise. Friedrich Springorum, der dem siebenköpfigen Gremium angehört, bezeichnete es am Mittwoch als "Falschmeldung", dass der Vorstand geschlossen zurücktreten werde.

Auch die Vorstandsvorsitzende Sabine Richter-Ellermann sagte der FR: "Da ist nichts dran." Der Vorstand werde mindestens bis zur außerordentlichen Mitgliederversammlung des OSO-Trägervereins im Amt bleiben. Schulleiterin Margarita Kaufmann, die ebenfalls dem Vorstand angehört, sagte dagegen, sie erwarte weiterhin einen Rücktritt des Gremiums.

Am Dienstagabend hatte der Hessische Rundfunk unter Verweis auf Springorum gemeldet, die Vorstandsmitglieder würden Konsequenzen aus dem Skandal um jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch an der Schule ziehen und ihre Ämter zur Verfügung stellen. Das habe er so nie gesagt, sagte Springorum der FR. Richtig sei, dass für die Krisensitzung des Trägervereins am 27. März kurzfristig Neuwahlen des Vorstands anberaumt worden seien. Dort werde das Gremium "in einer möglicherweise neuen Besetzung" demokratisch gewählt werden. Sicher sei das aber nicht.

Ob er selbst noch einmal antritt, "werde ich dem Verlauf der Sitzung überlassen", so Springorum. Auf dieselbe Frage antwortete die Vorsitzende Richter-Ellermann: "Das bespreche ich nicht in der Öffentlichkeit."

Nach FR-Informationen sitzen in den Gremien der Odenwaldschule bis heute Weggefährten des ehemaligen Schulleiters Gerold Becker, dessen Missbrauch von 13- und 14-Jährigen die OSO inzwischen eingeräumt hat. Ehemalige Lehrer und betroffene Altschüler warnen davor, die Becker-Freunde könnten die Krisensitzung Ende März nutzen wollen, um eine schonungslose Aufklärung der Vorfälle in den 70er und 80er Jahren zu erschweren.

Schulleiterin Kaufmann, seit 2007 im Amt, hatte bereits am Wochenende einen Neuanfang gefordert, der nur gelinge, "wenn man unbefangen ist". Sie gehe davon aus, dass der Vorstand geschlossen zurücktreten werde. Sie selbst wolle allerdings Rektorin bleiben. Am Mittwoch sagte Kaufmann der FR: "Dabei bleibe ich."

Sie räumte erneut ein, dass die Odenwaldschule, nachdem der Skandal um Becker 1999 publik geworden war, keine ausreichende Aufklärungsarbeit betrieben habe. Auch habe eine "innere Legendenbildung" dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren nurmehr von zwei Missbrauchsopfern die Rede war, obwohl die FR schon 1999 fünf von ihnen mit geänderten Namen zitiert hatte.

Tatsache sei aber auch, "dass es in der Öffentlichkeit Tendenzen zur Bagatellisierung gab", so Kaufmann. "Es war öffentlich, aber nie hat jemand nachgefragt, die Politik nicht, die Medien nicht und alle anderen auch nicht." Am heutigen Donnerstag will die Rektorin in einer Pressekonferenz weitere Einzelheiten zum aktuellen Stand der internen Ermittlungen bekannt geben.

Autor:  Jörg Schindler
Datum:  11 | 3 | 2010
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