Wer in diesen Zeiten an einer Verteidigung der Pädophilie interessiert ist, der wird mit Interesse das neueste Heft von "Forum Kritische Psychologie" lesen. Man spricht darin - so rätselhaft geht es nach 53 Heften kritischer Psychologie zu - von der "sozial konstruierten Ungleichheit zwischen Erwachsenen und Kindern". Erich Wulff, Jahrgang 1926, steigert sich in aus seiner eigenen Jugend stammende Metaphern: "So trifft sich in der heute fast einhelligen Verdammung des Pädophilen ein aus verschiedenen Richtungen auf ihn gerichtetes Strahlenbündel, von dem er eingefangen wird wie ein feindliches Flugzeug von den Schweinwerfern der Flugabwehr."
Trotz solcher Lächerlichkeiten ist es gut, gerade jetzt auch die andere Seite zu hören. So wenig sich glatt zwischen gewaltfreier und gewalttätiger Pädophilie unterscheiden lässt, so falsch wäre es allerdings, darum den Unterschied einzuebnen. Aber dass Wulff schreiben kann, die Pädophilie der katholischen Priester sei "kaum je mit körperlicher Gewalt einhergegangen", zeigt doch auch, mit welchem Desinteresse an der Wirklichkeit hier geschrieben und redigiert wurde.
Michael Zander entgegnet Wulff im selben Heft: "Selbst wenn es ,gewalt- herrschaftsfreie´ Fälle geben sollte, ist doch fraglich, ob sie die Risiken für den Kinderschutz rechtferigen würden, die eine Aufweichung des Sexualstrafrechts mit sich brächte." Man kann dieses Heft mit guten Gründen skandalisieren, klüger wäre es, es zu lesen und dazu Gerhardt Amendts "Pädophilie oder: Über sexualwissenschaftliche Trivialisierungen inzestartiger Handlungen" in Leviathan 2/1997.