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Papstbrief: Deutlich und enttäuschend

Der Papst verurteilt die Missbrauchsfälle in Irland, über die Fälle in Deutschland und in anderen Ländern sagt er aber nichts. Ob die internen Regeln ausreichend sind, dazu äußert sich der Papst in dem Brief ebenso wenig wie zum Zölibat. Von Kordula Doerfler

Der Papst äußert sich in einem Hirtenbrief.
Der Papst äußert sich in einem Hirtenbrief.
Foto: dpa

Bonn. Selten wohl ist ein katholischer Hirtenbrief mit soviel Spannung erwartet worden wie der, in dem sich Papst Benedikt XVI. zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche äußert. Unmissverständliche Worte findet das Oberhaupt der Katholiken darin zum dem Skandal, der Irland seit Monaten erschüttert. Zu anderen Ländern aber schweigt der Papst weitgehend.

Der Brief richtet sich "an die Katholiken Irlands", an Geistliche und Bischöfe, an die Eltern - und vor allem an die Opfer. Doch nur an einer Stelle scheint auf, dass es sich nicht nur um ein irisches Problem handelt: Der Missbrauch von Minderjährigen sei "weder spezifisch für Irland noch für die Kirche", schreibt der Papst und enttäuscht damit die Hoffnungen all jener in Deutschland, Österreich und den Niederlanden, die erwartet hatten, dass er den Blick auch auf andere Länder richtet.

Benedikt, der sexuelle Übergriffe gegen Minderjährigen schon mehrmals als "abscheuliche Verbrechen" gegeißelt hatte, macht auch in seinem Hirtenbrief aus seiner "Bestürzung" und seiner Verurteilung solcher Taten keinen Hehl. Er spricht von "sündhaften und kriminellen Taten", mit denen Geistliche das in sie gesetzte Vertrauen verraten hätten. "Ihr habt die Achtung des Volkes verspielt" und "Schande und Unehre auf Eure Mitbrüder gebracht". Dafür müssten sich die Täter verantworten, "vor dem allmächtigen Gott und weltlichen Gerichten", und auch "persönlichen Schadensersatz" leisten.

Nicht weniger hart geht der Papst mit den Bischöfen ins Gericht, die die Fälle teilweise jahrzehnteland vertuscht haben. "Es kann nicht geleugnet werden, dass einige von Euch und von Euren Vorgängern bei der Anwendung der seit langem bestehenden Vorschriften des Kirchenrechts zu sexuellem Missbrauch von Kindern versagt haben." Einzelne hätten "schwere Fehlurteile" getroffen und damit ihre Glaubwürdigkeit untergraben.

Kooperation verlangt

Den Opfern gegenüber drückt der Papst "die Schande und die Reue aus, die wir alle fühlen. Ihr habt viel gelitten, und ich bedaure das zutiefst". Ihre Würde und ihr Vertrauen sei verletzt worden, und nichts könne das Erlittene ungeschehen machen.

Dennoch zeigt sich Benedikt optimistisch, dass die irische Kirche die schwere Krise überwinden und geheilt werden könne. Alle Geistlichen fordert er auf, mit den weltlichen Instanzen zusammenzuarbeiten und kündigt auch Besuche von päpstlichen Kommissionen in einzelnen Diözesen an.

Schon im Februar hatte er die irischen Bischöfe nach Rom zitiert und sie aufgefordert, die Regeln zu befolgen, die die Glaubenskongregation im Jahr 2002 für Missbrauchsfälle erlassen hatte. Ihnen zufolge sind zunächst die einzelnen Diözesen für die Aufklärung solcher Fälle zuständig, in schweren Fällen aber muss nach Rom berichtet werden. Allerdings stehen die obersten Glaubenswächter in Rom, an deren Spitze Kardinal Joseph Ratzinger ein Vierteljahrhundert stand, auch selbst unter Verdacht, wenig Interesse daran gehabt zu haben, dass die Übergriffe nach außen dringen.

Ob diese Regeln ausreichend sind, dazu äußert sich der Papst in dem Brief ebenso wenig wie zum Zölibat. Allerdings räumt er ein, dass die Verfahren zur Priesterauswahl nicht ausreichend seien und kritisiert auch die nicht ausreichende Ausbildung. Den tieferen Grund für die Verfehlungen aber ortet der konservative Theologe Joseph Ratzinger in einer säkularisierten Gesellschaft und ihrem schnelllebigen sozialen Wandel, die zu einer Schwächung des Glaubens geführt hätten - auch bei den Priestern selbst.

Autor:  Kordula Doerfler
Datum:  20 | 3 | 2010
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