Sexueller Missbrauch
Katholische Kirche und Reformpädagogik im Zwielicht

04. Juni 2012

Sexueller Missbrauch: Bistum Trier ermittelt wegen Missbrauch

Pilger warten vor dem Dom in Trier auf den Einlass Gottesdienst. Foto: dapd

Im Bistum Trier stehen 16 Priester unter Missbrauchsverdacht. Kirchenrechtliche Voruntersuchungen sind teilweise abgeschlossen, Sanktionen stehen noch aus. Im schlimmsten Fall droht den Klerikern der Rauswurf.

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Trier –  

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sind im Bistum Trier seit Februar 2010 gegen 16 Priester kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet worden. Dies teilte der Sprecher des Bistums Trier am Montag mit und bestätigte einen Bericht der Zeitung „Trierischer Volksfreund“. Neun dieser Vorverfahren seien vom Bistum bereits abgeschlossen, die anderen sieben liefen noch. Von den 16 Bistumspriestern seien 11 im Ruhestand.
Strafrechtlich seien die mutmaßlichen Taten aus den 1960er bis 1980er Jahren verjährt, sagte der Sprecher. Über eine mögliche kircheninterne Bestrafung sei noch nicht entschieden. „Alle Verfahren laufen noch“, sagte er.

Denn beim weiteren Vorgehen spricht der Vatikan mit: In zwei der neun abgeschlossenen Untersuchungen seien Abschlussberichte an die Glaubenskongregation nach Rom geschickt worden. Sie seien mit der Maßgabe zurückgekommen, kirchenrechtliche Strafverfahren einzuleiten, hieß es. Möglich sind: Ein Prozess vor einem Kirchengericht oder der Erlass eines Strafdekrets. Wann erste Sanktionen verhängt werden, sei noch unklar. Eine mögliche Strafe sei auch eine Laisierung - also der Rauswurf. In den sieben anderen in Trier abgeschlossenen Fällen werden die Abschlussberichte noch verfasst.

Die Zahl der ins Visier geratenen Priester seit der Ernennung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann zum Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz im Februar 2010 ist vergleichsweise hoch. Unter seinem Vorgänger, dem heutigen Münchner Erzbischof Reinhard Marx, gab es laut Sprecher drei kirchenrechtliche Voruntersuchungen wegen Missbrauchsverdachts, in der gut einjährigen Vakanz zwischen Marx und Ackermann zwei Fälle. „16 - das ist schon eine Zahl“, sagte der Bistumssprecher. Die Verfahren seien vor allem durch Opfer, die sich gemeldet haben, in Gang gekommen.

Eine kirchenrechtliche Voruntersuchung dauert laut Bistum Trier etwa ein bis eineinhalb Jahre. Von den 16 Priestern sind noch drei im Dienst, einer ist beurlaubt und einer laisiert - allerdings schon längere Zeit. Im Falle einer Sanktion werden die Opfer informiert. Und auch eine „angemessene Information der Öffentlichkeit unter Wahrung des Persönlichkeitsschutzes der Betroffenen“ werde gewährleistet, hieß es.

Bischof Ackermann hat angekündigt, den Umgang mit pädophilen Priester neu überdenken zu wollen. Vor allem die Frage, ob pädophile Priester in der Seelsorge weiterbeschäftigt werden dürfen. Bislang ist das möglich. Die Leitlinien der Bischofskonferenz sollen 2013 überarbeitet werden. Im Bistum Trier sind bislang mehr als 40 Opfer sexueller Übergriffe finanziell entschädigt worden. Das Bistum zählt knapp 700 Priester. (dpa)

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