Wiesbaden. Wo es Missbrauch von Kindern und Jugendlichen gibt, soll sofort der Staatsanwalt eingeschaltet werden. So lautet der dringende Aufruf des hessischen Landtags, den alle fünf Fraktionen am Mittwoch unterstützten. "Kindesmissbrauch duldet keine rechtsfreien Räume", heißt es in dem Beschluss.
Sehr klar wandte sich die Frankfurter CDU-Familienpolitikerin Bettina Wiesmann dagegen, dass Internate oder kirchliche Einrichtungen "interne Voruntersuchungen" anstellen. Diese "bergen immer das Risiko einer Güterabwägung im Interesse des Fortbestands der Institution und der sie tragenden Idee", warnte Wiesmann. "Der Würde des Einzelnen endlich Geltung zu verschaffen, muss uns wichtiger sein."
Wiesmann erhielt von allen Fraktionen reichlich Beifall - und an einer Stelle sogar mehr von der linken Seite des Hauses. Da hatte sich die CDU-Politikerin die Frage erlaubt, "ob es nicht eine Beziehung gibt zwischen der faktischen Männerkirche Roms und dem Phänomen der Pädophilie" in den Reihen seiner Priester.
Aus Sicht der Christdemokratin haben bestimmte Strukturen den Missbrauch erleichtert in kirchlichen Einrichtungen und jenen der Reformpädagogik, zu denen die hessische Odenwaldschule zählt. Beide verfolgten pädagogische Ziele "mit einem Hang zur religiösen oder quasi-religiösen Überhöhung", sagte Wiesmann. Für Kinder könne es "schwer sein, sich einem derart aufgeladenen Lehrer-Schüler-Verhältnis und seinen Fährnissen zu entziehen".
Konkrete Konsequenzen beschloss das Parlament jedoch nicht. Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) befürwortete die Idee, dass zivilrechtliche Ansprüche gegen Missbrauchstäter später verjähren sollen als bisher.
Familienminister Jürgen Banzer (CDU) ergriff im Landtag nicht das Wort. Banzer hatte am Vorabend im HR-Fernsehen gesagt, er wolle Präventionskonzepte von Kindergärten, Schulen und Betreuungseinrichtungen einfordern. Sie sollten zur Voraussetzung für die Betriebserlaubnis werden. In seinem Ministerium hieß es, dieses Vorhaben sei noch nicht spruchreif. Man führe Gespräche mit Jugendämtern.
Die Linke forderte, dass Beratungseinrichtungen für Missbrauchsopfer wie "Wildwasser" dauerhaft genügend Geld erhalten. Dazu fiel aber kein Beschluss.