Die Deutsche Bahn will aus der Pünktlichkeit ihrer Züge kein Geheimnis mehr machen: Ab September will der Konzern monatlich im Internet darstellen, wie pünktlich ICE-, IC- und Regionalzüge fahren. Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn hatte 1999 damals bereits existierende Pünktlichkeitstafeln in den Bahnhöfen kurzerhand abmontieren lassen. Die Maßnahme wurde damals heftig kritisiert. Sein Nachfolger Rüdiger Grube verspricht nun mehr Transparenz: „Wir wollen uns messen lassen an unserer tatsächlichen Leistung“, sagte Grube bei der Vorstellung des Halbjahresberichts.
Wie der Bahnchef weiter ankündigte, habe sein Unternehmen einen dreistelligen Millionenbetrag bereitgestellt, „um die Reisendeninformation künftig schneller und verlässlicher zu machen – von der klassischen Information am Bahnhof bis hin zum persönlichen Dialog über Twitter, den wir im Juni gestartet haben“.
Die Bahn hat aufgrund vieler technischer Mängel ihrer Bahnflotte seit Jahren mit der Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit zu kämpfen. Aus diesem Grunde will der Staatskonzern so viel Geld in die Erneuerung der Fahrzeuge stecken wie noch nie. Bis 2015 seien bis zu 10,8 Milliarden Euro vorgesehen, sagte Grube. Darin ist noch nicht einmal der bislang größte Auftrag in der Geschichte des Konzerns enthalten: Bis zu 300 Züge des Typs ICx, die vor allem die betagten IC- und EC-Züge ersetzen sollen. Zudem sollen allein dieses Jahr sechs Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert werden. Denn neben der Zuverlässigkeit der Züge entscheide der Zustand des Bahnnetzes über die Pünktlichkeit. „Und wir wollen die Reisezeiten weiter verkürzen“, betonte der Bahnchef.
Trotz der hohen Kosten für die Modernisierung der Flotte verlaufe die wirtschaftliche Entwicklung „außerordentlich erfreulich“. Der Gewinn nach Steuern erhöhte sich im ersten Halbjahr auf 648 Millionen Euro, nach 392 Millionen im ersten Halbjahr 2010. Die Zahl der Reisenden stieg um 1,9 Prozent auf 972,5 Millionen. Dafür waren vor allem Passagierzuwächse im Regionalverkehr ausschlaggebend.
Güterverkehr brummt
Im Fernverkehr gingen die Erlöse dagegen sogar leicht zurück. Das hat auch mit den vielen technischen Problemen der Züge zu tun. Nach wie vor wartet die Bahn auf 90 fabrikneue Regionalzüge von Bombardier, die aufgrund vieler Mängel vom Eisenbahnbundesamt nicht zugelassen werden. Die Auslieferung von 16 nagelneuen ICE-3-Zügen von Siemens verzögert sich ebenfalls um ein Jahr. Keine guten Nachrichten für die Bahn und ihre Kunden. Freuen können sich indes Arbeitssuchende: In den nächsten Jahren will die Bahn jeweils 5 000 bis 7 000 Mitarbeiter einstellen.