Die Leute von BMW können sich sogar über ministeriellen Segen freuen. Peter Ramsauer trat am Freitag bei der Präsentation der beiden Elektroautos von BMW als Überraschungsredner auf. Der Bundesverkehrsminister von der CSU sprach in Frankfurt viel von „Faszination“, die von den Fahrzeugen des Autobauers aus seiner bayerischen Heimat ausgeht.
Es passiert nicht alle Tage, dass ein amtierender Bundesminister ohne Umschweife Werbung für einen Autobauer macht. Er gratulierte BMW „im Namen der Bundesregierung zu diesen eleganten Flaggschiffen“. Die deutsche Automobilindustrie und insbesondere BMW hätten es geschafft, die Elektromobilität zu entfachen. Die beiden Fahrzeuge, die schräg hinter dem Minister auf der Bühne standen, machen dies Aussage plausibel.
BMW setzt beim i3 und beim i8 nicht nur auf neue Antriebstechnik. Als komplett neu für Pkw wird von Experten der Einsatz von kohlefaserverstärktem Kunststoff (CFK) bezeichnet. CFK ist extrem fest und steif, aber zugleich erheblich leichter als der bislang im Autobau übliche Stahl. BMW kooperiert bei CKF mit der Firma SGL Carbon, dem einzigen europäischen Unternehmen, das diese Technologe beherrscht. (fw)
Aber nur auf dem ersten Blick. Denn – um im Bild zu bleiben – das Feuer wird so schnell noch nicht brennen. Es wird dauern, bis das kompakte Stadtauto i3 mit seinem luftigen Design durch die Straßen der großen Metropolen rollt. BMW-Chef Norbert Reithofer sagte in seiner Rede kein Wort darüber, wann die Autos der i-Klasse zu haben sind. Entwicklungsvorstand Klaus Draeger nannte auf Nachfrage Ende 2013 als Verkaufsstart für den i3, der Sportwagen i8 soll kurz danach, Anfang 2014 kommen.
Umweltschützern und dem alternativen Verkehrsclub VCD kommen die Ökoautos nicht schnell genug, und zwar nicht nur die von BMW. „Seit Jahren gibt es vielfältige Ankündigungen der Autobauer. Doch die Unternehmen scheuen das unternehmerische Risiko, ins kalte Wasser zu springen“, sagt VCD-Autoexperte Gerd Lottsiepen. Bevorzugt auf Automessen zeigen BMW, Audi und Co. gerne spektakuläre „Showcars“ mit Elektroantrieb, die nie auf die Straße kommen.
Stattdessen liegt Mitsubishi mit dem E-Kleinwagen iMiev, von dem 531 Autos in den ersten sechs Monaten des Jahres zugelassen wurden, ganz vorne. Das geht aus einer Studie des Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen hervor. Hinzu rechnen muss man noch die 118 Autos von Peugeot und 115 von Citroën, die baugleich mit dem iMiev sind. Der einzige deutsche Hersteller, der es bislang auf eine nennenswerte Stückzahl bringt, ist die Daimler-Tochter Smart, von der 242 Elektroautos im ersten Halbjahr zugelassen wurden.
Gleichwohl ist das eine winzige Zahl, im Vergleich zu den Volumina der Wagen mit konventionellem Antrieb. Dennoch hält es Lottsiepen für enorm wichtig, jetzt „auszuprobieren, auszuprobieren und noch einmal auszuprobieren.“ Dies sei unabdingbar, um die neuen umweltfreundlichen Technologien voran zu bringen. Deutsche Autobauer haben aus seiner Sicht einen Hang zur Perfektion, der bremsend wirke. Denn nötig wäre, die Fahrzeuge in Flotten von Unternehmen zu testen, da würden sie stark beansprucht. So bekomme man schnell wichtige Erkenntnisse. Etwa: Wie hoch ist die Lebensdauer der Batterie? Auch die tatsächliche Reichweite der Fahrzeuge kann nach Ansicht des VCD-Experten nur im Alltagstest ermittelt werden.
Der iMiev schafft theoretisch 150 Kilometer. Sechs Stunden dauert es, die Batterie komplett aufzuladen. Für den BMW i3 wurden gestern die gleichen Werte genannt. Warum startet BMW nicht schon jetzt die Vermarktung? „Ende 2013 ist schon ein extrem ambitionierter Zeitrahmen“, sagte Draeger. Der i3 sei ein komplett anderes Fahrzeug. Das BMW-Modell habe einen größeren Innenraum und eine erhebliche größere Fahrleistung. Solch ein Auto zu entwickeln dauere erheblich länger als die drei Jahre bei einem konventionellen Pkw. Allerdings hatte BMW schon bei der Automobilmesse IAA 2009 einen Vorgänger des i8 vorgestellt. Doch dieses Fahrzeug sei eine „reine Idee“ gewesen, so Draeger.
Was BMW am Freitag präsentierte, ist ein Sportwagen, der mit einem Elektro- und einem kleinen Benzinmotor bis auf 250 Sachen beschleunigt, dabei aber nur auf einen Durchschnittsverbrauch von 2,7 Liter kommen soll. Das Auto wird gleichwohl ein teurer Spaß. Insider gehen von einem Preis von 200 000 Euro aus. Das reine Elektroauto i3 soll angeblich in knapp drei Jahren für 40000 Euro zu haben sein. BMW sagt offiziell nichts zu den Preisen.