Mit dem Vorwärtskommen in der Stadt ist das ja so eine Sache. Gedrängel auf den Straßen und Staus vor Ampeln. Für Klaus Hegemann, einen Menschen, der praktisch auf der Straße zu Hause ist, drückt sich das in der Zahl 40000 aus: So viele Kilometer legt der 56-Jährige Jahr für Jahr auf Frankfurts Straßen zurück. „Die Kollegen in der Wetterau und im Taunus kommen auf 15000 Kilometer mehr.“
Auf der Straße zu Hause
Im Speckgürtel um die Main-Metropole ist die Autodichte geringer, und Verkehrsteilnehmer verbringen nicht so viel Zeit mit Stillstand. Hegemann ist Fahrlehrer; zusammen mit seiner Frau Beate hat er sich Mitte der 90er Jahre selbstständig gemacht und seither einer Generation Frankfurter die Kunst des Auto- und Motorradfahrens beigebracht. „Langweilig wird es einem dabei nie. Man lernt ja ständig neue Leute kennen, mit denen man dann eine Menge Zeit verbringt. Und die Situation auf den Straßen erfordert ständig eine hohe Aufmerksamkeit.“
Der gelernte Elektrotechniker ist ein Mann von großer Gelassenheit. Einer, der neben dem Benzin wohl auch einen Schuss Baldrian im Blut hat. Den Umgang mit seinen Schülern beschreibt Hegemann „als äußerst geduldig“. Bisher haben sogar zunächst als hoffnungslos überfordert wirkende Aspiranten das Fahren gelernt. Den Blutdruck des Fahrlehrers bringen, wenn überhaupt, die Verkehrsteilnehmer drum herum in Wallung. „Viele Autofahrer sind intolerant gegenüber Fahranfängern, manche gar aggressiv.“ Da wird gedrängelt, gehupt, manchmal wild gestikuliert. Momente, in denen Hegemann beruhigend auf seine Klientel einwirken muss.
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache. In eineinhalb Jahrzehnten Berufsleben hat der Frankfurter zwei Unfälle gehabt, alle verursacht von „Autofahrern, die an der Ampel auf den Fahrschulwagen aufgefahren sind“. Gründlich aufräumen kann der 56-Jährige auch mit dem Vorurteil, Frauen könnten nicht einparken. „Da gibt es in der Praxis null Unterschied.“ Nur das Verhalten, so beobachtet Hegemann tagtäglich, ist anders: „Männer neigen dazu, so zu tun, als könnten sie alles. Frauen sind da viel zurückhaltender.“