Frankfurt a.M. Eine Stellmutter an der Verriegelung ist wohl Schuld daran, dass sich am Samstag die Tür eines ICE bei voller Fahrt geöffnet hat und gegen einen entgegenkommenden Intercity-Express prallte. Das berichtet das Eisenbahnbundesamt. Von den drei Schließbereichen habe daher nur der obere funktioniert.
Den Angaben zufolge kontrolliert in der ersten Baureihe des Zugtyps nur am oberen Ende eine Automatik, ob die Tür verriegelt ist und meldet das dem Lokführer. Ihm sei also angezeigt worden, dass alles in Ordnung ist. In der zweiten Baureihe gebe es auch im unteren Bereich die Vorrichtung. Daher fordert der Fahrgastverband Pro Bahn, Züge der ersten Baureihe nachträglich auszustatten.
Innerhalb der nächsten zwei Wochen werden alle ICE, die nicht über entsprechende zusätzliche Sensoren verfügen, einer Sonderprüfung unterzogen. Bis dahin müssen die Schnellzüge ihr Tempo in Tunneln weiter drosseln.
Die Bahn werde mit der Behörde abstimmen, wie weiter auf die Unfallursache reagiert wird. Fachleute vermuten indes, dass durch den Zeitdruck in den Bahnwerkstätten eventuell nicht alles richtig geprüft werde.
Mit größeren Verspätungen müssen die Fahrgäste wegen der Überprüfung und der langsameren Fahrt aber nicht rechnen, so eine Bahnsprecherin.
Sechs Reisende warne am Samstag leicht verletzt worden. Die Tür des ICE 105 von Amsterdam nach Basel habe sich zwischen Montabaur und Limburg gelöst und sei gegen den entgegenkommenden ICE 612 geprallt, der von München nach Dortmund unterwegs war, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Koblenz. Sie schlug in der Nähe des Bistrowagens ein.
Sechs Reisende bekamen Glassplitter ab oder erlitten einen Schock. Die vielbefahrene Strecke Köln/Rhein-Main konnte erst am Abend - nach fast zehn Stunden - wieder freigegeben werden. Helfter fanden die verlorene Tür nach langer Suche in einem Tunnel bei Montabaur.