Slalomtänzerin – das käme einer Teilbeschreibung des Jobs sehr nahe. Die offizielle Berufsbezeichnung von Britta Remahne ist aber: Zugbegleiterin. Die 27-Jährige ist eine Doppel-Mobilistin. Sie balanciert sich und Tabletts voller Rotwein, Kaffeebecher, Biergläser und dampfender Fertiggerichte durch den Arbeitstag (oder die -nacht). Sie arbeitet, mal abgesehen von den Kollegen in den Formel-1-Boliden, am schnellsten Arbeitsplatz mit Bodenhaftung in Deutschland. Sie geht zu Fuß und rast doch mit bis zu 300 Kilometer pro Stunde durchs Land. Vorzugsweise auf den Strecken Paris–Frankfurt oder Frankfurt–Amsterdam. Und ihr Hochgeschwindigkeitsjob erfordert Fähigkeiten, die stark an Slalomlauf erinnern. Auf der Kante bewegen, bloß die Balance nicht verlieren, während der ICE durch die Champagne oder den Westerwald rauscht. In der 1. Klasse wird der Fahrgast am Platz verwöhnt. „Ob der Zug nun 120 oder 300 Kilometer pro Stunde fährt, das merke ich eigentlich gar nicht mehr.“ Nur beim Blick aus dem Fenster nimmt sie wahr, mit welcher Eile der Intercity-Express Land gewinnt.
Mit Wärme ans Ziel
Ganz im Sinne der Geschäftsphilosophie, an der sich die Bahn AG tagtäglich abarbeitet, versteht sich die Hunsrückerin als eine Art Gesamt-Service-Paket. Tickets kontrollieren, Auskunft geben, für Umsatz im Bord-Bistro sorgen und natürlich nie die gute Laune verlieren. „Die Fahrgäste sollen mit einem schönen Gefühl und mit Wärme im Herzen ans Ziel kommen“, sagt Remahne.
Und von 300 auf null? Das Bremsen geschieht in der Regel so sanft, dass die Flaschen auf den Tischen höchstens mal kurz wackeln. Aber selbst bei einer Notbremsung – so hat sie es jedenfalls in der Theorie gelernt, aber bisher zum Glück noch nicht erfahren müssen –, also wenn der Lokführer voll in die Eisen geht, „wird im Zug kein Chaos ausbrechen. Da fliegt nicht alles wild durcheinander“, versichert sie. Gut zwei Kilometer braucht ein ICE, wenn er mal ganz schnell entschleunigt werden muss. Die täglichen Tücken liegen woanders. Beim Rattern über Weichen heißt es im Übrigen: schwindelfrei bleiben. „Sonst hätten die Fahrgäste wohl was zu lachen.“