Wenn Franco Foraci am frühen Abend nach Hause kommt, dann hängt er sein Auto als Allererstes an die Steckdose. „Wenn man das einmal vergisst und dann eine spontane Fahrt unternehmen will, ärgert man sich.“ An der Außenfassade seines Reihenhauses im Mertonviertel hat er eigens eine Steckdose angebracht. Direkt am Stellplatz.
Mit seinem Mitsubishi i-Miev, den er vor sechs Wochen für rund 26000 Euro gegen einen Peugeot 206 CC eingetauscht hat, ist Foraci einer von derzeit 85 Frankfurtern, die ein Elektroauto fahren. 2010, etwa zur gleichen Zeit, waren es noch 25. „Erhebliche Zuwachsraten“ macht Ansgar Roese aus, seit die Hersteller der E-Mobile ihre Modelle Ende letzten Jahres verstärkt auf den Markt bringen. Roese ist Leiter des Kompetenzzentrums Logistik & Mobilität der Wirtschaftsförderung Frankfurt und damit auch für die Förderung der Infrastruktur zuständig. Dazu gehören auch öffentliche Stromtankstellen.
Sechs solcher Elektro-Zapfsäulen gibt es bereits im Stadtgebiet – etwa im Parkhaus Börse oder im Parkhaus P4 am Frankfurter Flughafen –, zwölf im Umland; bis 2011 sind rund 40 weitere geplant. Betreiber ist die Mainova. Zuletzt kamen zwei neue Ladeplätze im Parkhaus Goetheplatz dazu. Tanken kostet je angefangene halbe Stunde 50 Cent, der Strom wird nicht extra berechnet. Abgerechnet wird über den Parkschein.
In die Akkus der E-Mobile fließt beim Aufladen auf 400 Volt ausschließlich der Ökostrom „Novanatur“, der ohne Ausstoß von Kohlendioxid in den beiden Main-Wasserkraftwerken Griesheim und Eddersheim erzeugt wird. Dennoch stellt sich die Frage, ob die öffentlichen Stromtankstellen genutzt werden. Und von wem.
Nach 150 Kilometern wieder an die Steckdose
Vor allem von Pendlern und Kurzstreckenfahrern wie Franco Foraci. „Bestimmt 97 Prozent meiner Fahrten sind Stadtfahrten“, sagt der HR-Journalist. „Und mal nach Wiesbaden oder Darmstadt.“ Für längere Strecken nehme er den Zug oder leihe sich das Auto seiner Frau. Sein 67 PS starker Mitsubishi schafft um die 150 Kilometer, dann muss er wieder für mindestens fünf Stunden an die 220-Volt-Haus-Steckdose. Auch nur Ökostrom. Stromtankstellen würde er anfahren: „Wenn man mal weiter weg will, kann man so lange einen Kaffee trinken gehen.“ Allerdings nur, so setzt er hinzu, „wenn das Netz so dicht ist, dass sie im ganzen Rhein-Main-Gebiet verteilt sind“. Das wird aber noch dauern. Und wenn die Akkus, vielleicht in drei bis vier Jahren, leistungsfähiger werden, schätzt Foraci, brauche es die Stromtankstellen vielleicht gar nicht mehr.
Roese teilt diese Einschätzung: Auch er spricht von einer „richtigen Durchsetzung“ der Infrastruktur, die zuerst notwendig sei. „So lange laden Pendler auf ihrem Privat- oder Firmenparkplatz“, ist Roese überzeugt. Dennoch sei Frankfurt sehr weit, was die Elektromobilität angehe. Das zeige die große Bandbreite: Vereinzelt fahren schon Zustellfahrzeuge und ab 2011 auch Linienbusse mit Elektromotoren. „Was wir voranbringen, ist ausreichend“, sagt Roese. Man pflege den Dialog mit Unternehmen, vermehrt auf die Zukunft, die aus der Steckdose kommt, umzusatteln.