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Elektromobilität: Die Weichen werden jetzt gestellt

Die Experten sind sich einig: Die Elektromobilität kommt. Der Tesla-Roadster ist bereits als erstes echtes Serien-Elektroauto zu haben. Im Herbst werden günstigere Alternativen hinzu kommen. Von Frank-Thomas Wenzel

Der Tesla-Roadster ist als erstes echtes Serien-Elektroauto ab 99.960 Euro zu haben.
Der Tesla-Roadster ist als erstes echtes Serien-Elektroauto ab 99.960 Euro zu haben.
Foto: Tesla

Das Rennen hat längst begonnen. Der Tesla-Roadster ist als erstes echtes Serien-Elektroauto ab 99.960 Euro zu haben. Im Herbst werden günstigere Alternativen hinzu kommen: der Mitsubishi iMiEV, der Peugeot iOn und der Citroën C-Zero. Die drei sind nahezu baugleich und sollen um die 50.000 Euro kosten.

Daimler hingegen will mit dem E-Smart erst 2012 richtig loslegen. BMW wird wohl erst ein Jahr später nachziehen. Die Elektromobilität kommt, darüber sind sich alle Experten einig.

Zunächst sind die Fahrzeuge wegen der hohen Preise vornehmlich für Firmen attraktiv, die sie leasen. Doch in zwei, drei Jahren dürften sie auch bei Privatleuten verstärkt zum Einsatz kommen, die sie für kürzere Strecken in Metropolenregionen nutzen.

"Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel, die Weichen für die gesamte Branche werden jetzt gestellt", sagt Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Die Konkurrenz ist hart. In Asien schieben Unternehmen und Politik die Elektromobilität massiv an.

Mit Geld für Forschung und Entwicklung (F&E) und staatlichen Zuschüssen für Käufer der Elektrovehikel. Die bekommen in den USA etwa bis zu 7500 Dollar Zuschuss, in Großbritannien sind es umgerechnet bis zu 5600 Euro. Deshalb wird es auf dem E-Auto-Gipfel heute in Berlin zuallererst um Subventionen gehen.

Der Staat hat bislang 500 Millionen Euro über das Konjunkturprogramm II für F&E zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt ein Programm des Forschungsministeriums mit 200 Millionen für den Zeitraum 2005 bis 2013.

Reicht das? "Ich lehne die Subventionitis grundsätzlich ab", sagte Bratzel der FR. Aber: "Um international mithalten zu können, ist eine Absatzförderung nötig, weil dieses Instrument das wirksamste Mittel ist, um den Markt zu entwickeln, was die Autos letztlich billiger macht." Eine Prämie von etwa 5000 Euro pro verkauften E-Auto hält er für sinnvoll. Allerdings mit einer Deckelung.

Jedes Jahr steht nur eine bestimmte Summe zur Verfügung. Ist sie aufgebraucht, gibt es in dem Jahr kein Geld mehr. Zugleich macht sich Bratzel für eine starke Degression der Förderung stark, die sich an der Zahl der Zulassungen der Elektroautos orientiert.

Dahinter steckt der Gedanke: Werden Elektro-Autos populärer, weil billiger, kann die Förderung sukzessive zurückgefahren werden. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) lehnt die Kaufprämie bislang ab.

Die Bundesregierung setzt auf F&E-Förderung. Da muss aus Sicht des Evonik-Chefs Klaus Engel mehr passieren: "Die Umsetzung des Koalitionsversprechens, so rasch wie möglich eine steuerliche Forschungsförderung einzuführen, wird für alle Unternehmen zusätzlich Anreize schaffen, mehr Geld in Forschung und Entwicklung zu stecken", sagte er der FR.

Die Spitzenverbände der Industrie hatten schon Anfang voriger Woche gefordert, dass Firmen künftig zehn Prozent der Forschungsausgaben von der Steuerschuld abziehen dürfen.

Engel hält Entlastungen für sinnvoll, weil es "erhebliche Anstrenungen" brauche, um die "grundlegenden Technologien" weiter zu entwickeln. Gemeint ist damit die wichtigste und teuerste Komponente des E-Autos: der Lithium-Ionen-Akku.

Doch fast die komplette globale Produktion dieser Stromspeicher, die derzeit vor allem in Handys und Laptops eingesetzt werden, konzentriert sich in drei asiatischen Ländern: China, Japan, Korea.

Evonik aber hat auf allen Wertschöpfungsebenen der Batterieproduktion inzwischen Kapazitäten aufgebaut und deshalb nach einer Studie des Car-Center der Universität Duisburg-Essen "eine Schlüsselstellung für den Automobilstandort Deutschland." Kein Wunder, dass Engel heute zum Leiter einer Arbeitsgruppe Batterietechnik ernannt werden soll.

Die Experten werden sicher auch über das Evonik-Werk im sächsischen Kamenz sprechen, das Batterien mit einer neuen Technologie herstellt, die längere Haltbarkeit, einen besseren Schutz vor Überhitzung und "eine sehr gute Performance" bieten soll. Die Produktion soll dort hochgefahren werden, wenn die Montage des E-Smart in großem Stil beginnt.

Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße bringen. Zur Zeit sind es in Deutschland laut knapp 1600.

Autor:  Frank-Thomas Wenzel
Datum:  2 | 5 | 2010
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