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FR-Serie "Mobilität": Auto, Bahn, Rad - wer ist schneller?

Fr-Kollegen testen, welches Verkehrsmittel auf mittlerer Distanz das schnellste ist.
Fr-Kollegen testen, welches Verkehrsmittel auf mittlerer Distanz das schnellste ist.
Foto: Boeckheler

Unsere Autoren haben ein Wettrennen veranstaltet. Als Auto-, Bahn- und Radfahrer starten sie am Offenbacher Klinikum - doch wer kommt als erster am Depot in Frankfurt-Sachsenhausen an?

Über die Geschwindigkeit, mit der wir vorankommen, täuschen wir uns gelegentlich: Wer bequem im Auto sitzt, dabei Musik oder Nachrichten hört, mag glauben, dass es flugs vorangeht. Wer aufs Rad steigt oder auf den Bus wartet, mag annehmen, dass sich die Fahrt womöglich ziehen wird. Aber stimmt das?

Die FR macht die Probe aufs Exempel: Wir testen mit drei Verkehrsträgern (Auto, Öffentlicher Personennahverkehr und Rad) auf kurzer, mittlerer und größerer Distanz, wer wie schnell vorankommt. Heute beginnen wir mit einer mittleren Distanz, mit der Strecke Offenbach/Städtisches Klinikum–Frankfurt/Depot Sachsenhausen.
Testen werden wir die Kurzstrecke auf Frankfurter Gebiet und eine größere Distanz von der Wetterau nach Frankfurt.

Auto 13:50 Minuten

Autofahrer Jürgen Ahäuser.
Autofahrer Jürgen Ahäuser.
Foto: Boeckheler

Der Kollege hat sich und sein aufgemotztes Nachfolgemodell eines Laufrädchens ganz schön aufgepumpt. Viel Druck im Reifen wegen des geringeren Rollwiderstandes und dicke Beine wegen des vollmundig angekündigten Schlussspurts. Dann geht alles blitzschnell. Stadtkrankenhaus Offenbach bis zur Haustür der Frankfurter Rundschau in Sachsenhausen. Heute ist der Tag des Autos: Für die knapp acht Kilometer sagt das Navi 14 Minuten Fahrzeit voraus. Los geht’s. Nach dem Verlassen des Taunusrings droht der Infarkt. Stau auf der A661. Doch die Abfahrt Kaiserlei kommt noch vor dem Stauende. Die Ampeln auf der Gerbermühlstraße wissen auch, was fürs Land der Wagenlenker zu tun ist: alles auf Grün. Selbst die schlimmsten Feinde des ungebremsten Verkehrs, die „Postboten“ in ihren Lieferwagen kuschen ordentlich in Haltebuchten. Freie Fahrt für freie Bürger. Allein der LKW-Fahrer, der auf der Darmstädter grüne Mülltonnen lädt, hat davon noch nichts gehört. Macht nichts. Heute läuft es wie geschmiert. 13:50 Minuten zeigt die Stoppuhr einschließlich Parkplatzsuche (unter uns: später muss wegen der Zeit noch umgeparkt werden). Kurz darauf schlendert der Kollege heran, der mit Bus und Bahn unterwegs war. Auch der Schmalspur-Thurau kommt da um die Ecke und redet was von CO2-Bilanz. Scheint bitter nötig, so wie der japst. (jah.)

Bahn 20:08 Minuten

Bahnfahrer Milan Jäger.
Bahnfahrer Milan Jäger.
Foto: Boeckheler

Meine Kollegen sind faire Sportsmänner. Geduldig warten sie mit mir, bis mein Bus eintrifft. Aber kaum dass ich ihn besteige, höre ich lautes Motorengeheul. Kollege Ahäuser braust mit seinem schicken Cabrio davon. Klar, unter Coolness-Gesichtspunkten kann ich nicht mit ihm mithalten. Und auch in puncto Schnelligkeit sieht es schlecht aus: Vom Kollegen Schultheis sehe ich nur noch den blitzenden Fahrradhelm um die Ecke biegen. Gemächlich schaukelnd setzt sich mein Bus in Bewegung. Mir schwant bereits, ich kann einpacken. Doch der freundliche Busfahrer hat noch ein Ass in petto: Ich könne am Offenbacher Bahnhof den Regionalexpress nehmen, informiert er mich. Nächste Station Südbahnhof. Und tatsächlich, keine sieben Minuten nach Besteigen des Busses sitze ich im RE. Entspannt betrachte ich die vorbeiziehende Landschaft und lasse meine Gedanken schweifen. Jetzt verstehe ich all die Pendler, die auf die Bahn schwören. Ein ICE rauscht am Fenster vorbei, die Welt liegt mir zu Füßen. Um 9.30 Uhr erreiche ich den Südbahnhof, für einen Kaffee sollte noch Zeit sein. Gemütlich schlendere ich zum Ziel. Ich hatte Glück: Hätte ich den RE nicht erwischt, hätte die Fahrt länger gedauert als die 20:08 Minuten, die ich gebraucht habe. Der Kollege Autofahrer war aber noch schneller. Dennoch: Der ÖPNV hat heute einen neuen Kunden gewonnen. (prmj.)

Rad 21:35 Minuten

Radfahrer Jürgen Schultheis.
Radfahrer Jürgen Schultheis.
Foto: Boeckheler

Mit Frankfurt ist es ein bisschen wie mit Rom: Da führen auch viele Wege hin. Wer sich für die angenehmste und einzig uneingeschränkte Form der Mobilität entscheidet, wer also aufs Fahrrad steigt, kann über die Offenbacher Landstraße fahren, am Mainufer entlang (sehr schön) oder aber den wunderbaren Weg durch die Kräuterfelder von Oberrad nehmen. Vom Städtischen Klinikum über Isenburg- und Dreieichring geht es in die Offenbacher Landstraße. In Oberrad gleich rechts abbiegen in die Felder, irgendwann kommt man in die Wehrstraße und von dort durch den Bärengarten in den Strahlenberger Weg. Die Reststrecke ist schnell gefahren. 21 Minuten und 35 Sekunden dauert die 6,5 km lange Fahrt durch frische Luft mit Blick auf Skyline und Treibhäuser. Entspannung für den Kopf, Sauerstoff für den Körper und ein Start in den Arbeitstag, wie er besser kaum sein kann. Der Kollege Ahäuser im Auto war zwar klar schneller, und auch Kollege Jäger war schon angekommen. Aber das Wahre ist das Ganze: Auf 230 Arbeitstage hochgerechnet, pustet der Kollege Ahäuser 800 Kilogramm CO2 in die Luft, der Kollege Jäger immerhin noch 279 Kilogramm. Um diesen CO2-Ausstoß zu kompensieren, müsste Kollege A. 73 Fichten und Kollege J. 25 Fichten pro Jahr pflanzen. Mit meinem Rad bin ich von vornherein klimaneutral – und nahezu lautlos. (schu.)

Datum:  6 | 9 | 2011
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