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FR-Serie "Mobilität": Wieder das Rad - was sonst?

Unsere Autoren haben zum zweiten Mal ein Wettrennen veranstaltet. Als Auto-, Bahn- und Radfahrer starteten sie in Bornheim - lesen sie hier, wer als erster am Depot in Frankfurt-Sachsenhausen ankam

Sieger der Strecke: der Pedalritter.
Sieger der Strecke: der Pedalritter.
Foto: boeckheler

Rad 12:40 Minuten

Heute geht natürlich das Fahrrad als der klare Favorit in das Rennen. Kurzstrecke in Frankfurt – wer wollte einen erfahrenen Radfahrer da stoppen. Entsprechend kleinlaut geben sich die Kollegen beim Start am Uhrtürmchen in Bornheim. Die Reifen sind prall aufgepumpt, das Rad gut in Schuss. Es kann losgehen. Gleich auf den ersten Metern schnurrt es glatt über das frisch verlegte Pflaster auf der Berger Straße. Kurz darauf warnt einen das rote Einbahnstraßenschild. Lutz Sikorski sei Dank kann das einen Radfahrer nicht mehr bremsen. Inzwischen haben es auch die letzten Autofahrer kapiert, dass ihnen in der Einbahnstraße mal ein Rad entgegen kommen kann. So machen die Autos brav Platz, das Rad rauscht vorbei und schon bin ich an der Höhenstraße. Auch weiter unten auf der Berger können die üblichen Hindernisse mich nicht erschüttern. Ein Lieferwagen hält vorm Supermarkt. Der nächste Laster kommt nicht vorbei, Autos hupen. Was soll’s? Ich mach mich dünn und bin schon vorbei an der langen Schlange. In Nullkommanix geht es über die Hubbel auf der Berger, die die Autos bremsen sollen. Der geübte Radfahrer muss da nur ein wenig entlasten wie ein zünftiger Reiter. Schließlich fahre ich auch das Totilas unter den Fahrrädern. Nach fünf Minuten ist der Anlagenring erreicht. Jetzt geht es gemächlich durch die Grünanlage, kein Auto stört, die größte Gefahr sind Hunde an langen Leinen. Die Ampeln meinen es gut, nach neun Minuten bin ich am Main. Etwas umständlich geht es am Literaturhaus über die Kreuzung zum Schlussspurt über Ignatz-Bubis-Brücke und Dreieichstraße zum Karl-Gerold-Platz. Erster!! (luf.)

Wer ist schneller?
        

Mobilität in Rhein-Main

Über die Geschwindigkeit, mit der wir vorankommen, täuschen wir uns gelegentlich: Wer bequem im Auto sitzt, dabei Musik oder Nachrichten hört, mag glauben, dass es flugs vorangeht. Wer aufs Rad steigt oder auf den Bus wartet, mag annehmen, dass sich die Fahrt womöglich ziehen wird. Aber stimmt das?
Die FR macht die Probe aufs Exempel: Wir testen mit drei Verkehrsträgern (Auto, Öffentlicher Personennahverkehr und Rad) auf kurzer, mittlerer und größerer Distanz, wer wie schnell vorankommt. Heute sind wir zum zweiten Mal unterwegs, von Bornheim-Mitte zum FR-Depot in Sachsenhausen. Das erste Rennen von Offenbach nach Sachsenhausen hatte das Auto gewonnen.
Testen werden wir noch die Distanz von der Wetterau nach Frankfurt.

Bahn 14:10 Minuten

Mag sein, dass das Fahrrad auf der Kurzstrecke Favorit ist. Aber würden immer nur die Favoriten gewinnen, wäre Eintracht Frankfurt nicht abgestiegen. Nur braucht man als Außenseiter natürlich Glück. Glück ist, wenn man an der U-Bahnstation Bornheim Mitte die Treppe hinunter läuft und wenige Meter, bevor man den Bahnsteig erreicht, diesen warmen Luftzug spürt, der die Ankunft der U 4 ankündigt. Genau dieses Glück habe ich (die Herrschaften von der Verkehrsgesellschaft Frankfurt würden vermutlich nicht von Glück, sondern vom Studium des Fahrplans sprechen). Sieben Minuten dauert die Fahrt bis zum Willy-Brandt-Platz. Sieben Minuten, in denen man früher zuhören konnte, worüber sich wildfremde Menschen so unterhalten. Heute kann man schauen, welche Apps wildfremde Menschen so auf ihrem I-Phone haben. Ein einziges Mal verlangsamt die Bahn ihre Fahrt. Panik macht sich breit, bestimmt kommt sie gleich, die Ansage von der Signalstörung, die die „Weiterfahrt um wenige Momente“ verzögert. Aber nicht heute. Ankunft am Willy-Brandt-Platz, auf die Rolltreppe, eine Ebene höher fahren die Bahnen zum Südbahnhof. Wieder Glück. Just als ich den Bahnsteig erreiche, kommt die U 1 an. Der Rest ist ein Selbstläufer, mein Sieg ist mir nicht mehr zu nehmen. Drei Minuten Fahrtzeit bis zum Südbahnhof. Jetzt nur noch die 200 Meter bis zum Ziel laufen. Ich überlege mir hämische Sprüche für den Radfahrer, der vermutlich erst in fünf Minuten kommen dürfte. Ich setze mein ganz breites Grinsen auf – aber was steht da an der Laterne? Das ist – nee, oder? – das ist tatsächlich: das Rad des Konkurrenten. (geo.)

Auto 21:10 Minuten

Mit dem Auto durch den städtischen Berufsverkehr? Obwohl ich insgeheim weiß, dass ich gegen Rad und Bahn keine Chance habe, lasse ich mich auf den Wahnsinn ein. Der Startschuss fällt um 8:54 Uhr. Ich bete, dass mich mein alter Corsa auf den kommenden fünf Kilometern nicht im Stich lässt. Ich drehe den Zündschlüssel. Wie immer dauert es ein wenig, bis er anspringt. Doch dann setzt er sich knatternd in Bewegung. Die ersten zwei Minuten heißt es: Freie Fahrt für mich und mein Gefährt. Doch kaum habe ich das Wohngebiet verlassen, erwartet mich auf Wittelsbacher- und Habsburgerallee eine rote Ampel nach der anderen. Gas geben, bremsen, Kupplung, Gas, Bremsen. Im Stadtverkehr zeigt sich, wer in der Fahrschule aufgepasst hat. Die Uhr tickt unermüdlich. 4:16 Minuten. 7:32. 9:45. Die Ankunftszeit, die mein Navi anzeigt, verschiebt sich immer weiter nach hinten. Ich sehe meine Chancen auf den Sieg schwinden. Dann, kurz hinter der Ignatz-Bubis-Brücke: ein Hoffnungsschimmer: Ich überhole meinen radelnden Kollegen. Doch an der nächsten Ampel ist der Vorsprung wieder dahin. Das FR-Depot erreiche ich nach 12:40 Minuten – eigentlich gar keine schlechte Zeit. Doch ich habe noch keinen Parkplatz. Suchend irre ich durch die Gassen. Überall nur Anwohnerparkplätze. Nach drei Runden um das Depot gebe ich auf. Ich parke mein Auto auf einem der Bewohnerparkplätze. Um 15 Uhr muss ich es wieder umparken. Nach 21:10 Minuten erreiche ich endlich das Ziel. Der dritte Platz ist mir genauso gewiss, wie die schadenfrohen Gesichter meiner männlichen Kollegen. Ab morgen fahre ich wieder Bahn! (prsm.)

Datum:  14 | 9 | 2011
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