Muss es unbedingt das Beste und Teuerste sein? Diese Frage stellt sich in Anbetracht der Pläne von BMW, zwei Autos zu bauen, die nicht nur mit einem ganz neuen Antrieb ausgestattet sind, sondern auch mit einer Karosserie aus einem Stoff, der bislang nur im Motorsport eingesetzt wurde. Die Antwort: Es muss nicht sein. Elektroautos funktionieren auch mit konventionellen Karosserien. Das zeigen die Fahrzeuge von Mitsubishi und die fast baugleichen Modelle von Peugeot oder Citroen. Und nicht zuletzt zeigt es die Daimler-Tochter Smart. 2012 soll die Produktion des E-Smart von einer Kleinserie auf eine Stückzahl von 20000 hochgefahren werden. Die Stuttgarter sind die ersten unter den deutschen Autobauern, die den Schritt in die Großserienproduktion wagen.
Dafür gebührt ihnen Lob. Noch viel mehr Lob gebührt aber dem kleinen japanischen Autobauer Mitsubishi, hinter dem freilich ein riesiger Industriekonzern steht. Mitsubishi hat ohne großes Tamtam Anfang 2011 sein Elektroauto iMiev hierzulande eingeführt. Die Japaner verdienen nichts an dem Wagen, der für 35000 Euro verkauft wird. Dennoch sind die Manager keine uneigennützigen Wohltäter. Sie wollen sich mit dem Wagen profilieren, durch den Einsatz im Alltag ihren technologischen Vorsprung ausbauen und so ihre Marktposition ausbauen – Mitsubishi beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Elektromobilität. Es die Logik des Underdogs, der nur gewinnen kann, wenn er besser und schneller als die Etablierten ist.
Nissan oder Toyota, die bei E-Autos ebenfalls weit vorne sind, kann man nur ermuntern, die Sache ebenfalls forciert anzugehen. So entsteht Druck auf die deutschen Autobauer, die es sich noch leisten können herumzulavieren, weil sie wegen der hohen Kosten um ihre Renditen fürchten. So will BMW noch mindestens zwei Jahre mit dem Verkaufsstart der Carbonautos warten. Werden die Bayern oder auch die VW-Gruppe gezwungen, bei der Elektromobilität mehr Gas zu geben, wäre das eine höchst erfreuliche Entwicklung. Denn zumindest für den Individualverkehr in Ballungsgebieten sind E-Autos die umweltfreundlichere und geräuschärmere Lösung – in Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln.