Am Dienstag setzen Bahnchef Grube und Verkehrsminister Ramsauer den ersten Spatenstich für ein Milliardengrab. Der symbolische Baustart für Stuttgart 21 ist kein zum Feiern, im Gegenteil. Der größte Schwachpunkt des heftig umstrittenen Projekts ist nicht mehr zu verbergen: S21 wird viele wichtigere Bahnprojekte gnadenlos kannibalisieren.
Diese Tatsache belegen auch die internen Streichlisten der Bahn. Nur die Politiker streiten das weiter ab, denn sie haben viele schöne neue Bahnstrecken versprochen und fürchten nun den Zorn enttäuschter Wähler.
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Debatten-Spezial: Umsteuern in der Verkehrspolitik
Doch das Volk lässt sich nicht für dumm verkaufen. Der Widerstand gegen S 21 wächst. Eine klare Mehrheit lehnt das viel zu teure und riskante Tunnelvorhaben ab, das in Wahrheit vor allem ein spekulatives Immobilienprojekt mit recht geringen Vorteilen für den Bahnverkehr ist.
All das könne man vielleicht hinnehmen, wenn es nur um regionalen Größenwahn ginge. Das Gegenteil aber ist der Fall: Die Tieferlegung des Hauptbahnhofs, 30 Kilometer Tunnelstrecken im Stadtgebiet und die zugehörige ICE-Neubaustrecke nach Ulm werden mindestens 6,1 Milliarden Euro kosten. Fast die Hälfte davon kommt vom Bund und damit von allen Steuerzahlern.
Das ist ein irrsinniger Betrag für ein Projekt, das niemand wirklich braucht. In Zeiten einer nie erlebten Rekordverschuldung des Staates ist es verantwortungslos, dass Bund und Bahn S21 nicht zumindest auf Eis legen, bis sich Deutschland solche Prestigevorhaben wieder erlauben kann.
Nur zur Verdeutlichung: Der Bund veranschlagt seinen Kostenanteil an S 21 und der ICE-Strecke derzeit auf 2,8 Milliarden Euro. Beide Vorhaben sollen 2019 fertig sein. Bis dahin stellt der Bund für alle 60 Neu- und Ausbauprojekte der Bahn in Deutschland bestenfalls zehn Milliarden Euro bereit. Es soll also fast ein Drittel der gesamten Bundesmittel bis 2019 in dieses - von Land und Stadt durchgesetzte und mitfinanzierte - Neubauprojekt fließen.
Das ist absurd. Denn jeder Euro wird für wichtigere Projekte fehlen, vor allem den raschen Ausbau von Güterstrecken wie im Rheintal, die schon heute dramatisch überlastet sind.