„Alle reden übers Wetter. Wir nicht.“ Das war einmal. Bibbernde Reisende, Zugausfälle und stundenlange Verspätungen – im letzten Winter gab es vor allem ein Thema: Die Bahn und das Wetter. Im Fernverkehr war nur noch jeder fünfte Zug fahrplanmäßig unterwegs. Das könnte sich in diesem Winter wiederholen, denn die Bahn AG fährt weiter am Limit. Weil die Hersteller nicht liefern können, hat das Unternehmen kaum Züge in Reserve. Nun hat sich Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eingeschaltet und macht Druck auf alle Beteiligten.
Schnelle Schritte gefordert
Bei einem Spitzentreffen gestern in Berlin, an dem auch Bahn-Chef Rüdiger Grube sowie Vertreter der Zug-Hersteller Siemens und Bombardier teilnahmen, forderte Ramsauer schnelle Schritte aller Beteiligten, um ein neuerliches Winterchaos zu verhindern. „Die Bahn muss gerüstet sein, um Zugausfälle und Verspätungen zu verringern“, verlangte der CSU-Politiker. Dafür brauche sie schneller mehr Züge auf den Gleisen, erklärte der Verkehrsminister. Er erinnerte die Bahnindustrie zudem an ihre Verpflichtung, die sie bei der Einigung auf das „Handbuch Eisenbahnfahrzeuge“ im Mai eingegangen sei.
Dabei handelt es sich um ein Regelwerk, durch das die Rechtssicherheit und die Abläufe bei der Fertigung und Zulassung neuer Züge deutlich zu verbessert werden sollen. So sind die Hersteller zu höherer Qualität verpflichtet, gleichzeitig werden sie davor geschützt, dass immer neue technische Normen ständige Änderungen während der Entwicklung und der Produktion erzwingen. Das führte bisher immer wieder dazu, dass das Eisenbahnbundesamt (EBA) praktisch fertigen Bahnen die Abnahme verweigert.
Konkrete Ergebnisse des Gipfeltreffens wurden zunächst nicht bekannt. Ramsauer und andere Teilnehmer der Runde wollten sich erst am frühen Abend nach dem Ende des Treffens äußeren. Bahn-Chef Grube hatte zuvor die Industrie erneut zur schnellen Behebung der Mängel an ihren neuen Zügen aufgefordert. Die Deutsche Bahn sei sehr unzufrieden mit der Lieferqualität, aber auch mit der Liefertreue, sagte er. Die Bahn selbst meint , ihre Hausaufgaben gemacht zu haben.
Die Industrie weist den Vorwurf von Qualitätsmängeln indes stets zurück und wirft dem bundeseigenen Bahn-Konzern vor, Züge nicht richtig zu warten. Die Deutsche Bahn führe die Wartung ihre Zugflotte komplett in Eigenregie durch, argumentiert der Verband der Bahnindustrie. Bei Lieferschwierigkeiten schiebt die Industrie die Schuld auf das Eisenbahnbundesamt, das mit überzogenen Forderungen die Zulassung neuer Züge verhindere.