Ein junger Mann im weißen Bademantel verleiht Bahn-Manager Grube den "Innovationspreis für die beste Saunaidee 2010" - ein goldenes Handtuch. Der kann sich darüber nicht freuen und kündigt eine kostspielige Kunden- und Qualitätsoffensive an.
Der Moderator des NDR-Satiremagazins Extra 3, Tobias Schlegl, verleiht Grube das Goldene Handtuch.
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Der Moderator des NDR-Satiremagazins Extra 3, Tobias Schlegl, verleiht Grube das Goldene Handtuch.
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BERLIN –
Der Ausfall von Klimaanlagen in ICE-Zügen bringt Bahnchef Rüdiger Grube nicht nur eine Menge Ärger ein, sondern auch Spott der besonderen Art: „Guten Tag, mein Name ist Schlegl vom Deutschen Saunaverband“, stellte sich am Mittwoch anlässlich der Präsentation der Halbjahreszahlen des Konzerns unvermittelt ein junger Mann in weißem Bademantel vor. „Ich möchte Ihnen den Innovationspreis für die beste Saunaidee 2010 verleihen“, wandte sich Schlegl an Grube. Er wolle ihm deshalb das Goldene Handtuch überreichen.
Gelassen nahm Grube den Preis entgegen. Er freue sich darüber nicht, sagte der Bahnchef. Schließlich sei der Hintergrund ja auch kein erfreulicher. Später entpuppte sich Schlegl als Moderator der TV-Satire-Sendung Extra 3.
Da nützte es auch nichts, dass Grube zuvor bereits die Flucht nach vorn angetreten hatte: „Die Ausfälle von Klimaanlagen in unseren Zügen während der Hitzewelle waren ein herber Rückschlag in unserem Bemühen, die Bahn zu einem sympathischeren Unternehmen zu machen“, räumte der Bahnchef schuldbewusst ein. Die nach dem Auftreten der Pannen eingeleiteten Schritte zeigten bereits Wirkung, so Grube. „Seit dem 14. Juli hatten wir nur noch sehr vereinzelt Ausfälle von Klimatisierungsanlagen.“
Die zehn größten Fehlplanungen der Bahn
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Die zehn größten Fehlplanungen der Bahn
Stuttgart 21: Die Kosten für den Tunnelbahnhof und die 60 Kilometer Neubau- und Tunnelstrecken im Stadtgebiet mussten mehrfach auf inzwischen 4,1 Milliarden Euro nach oben korrigiert werden. Der Rahmenvertrag von 1995 veranschlagt Ausgaben von knapp 2,5 Milliarden D-Mark. Der Bundesrechnungshof befürchtet, dass S 21 mindestens 5,3 Milliarden Euro kostet.
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ICE-Strecke Wendlingen-Ulm: Die neue ICE-Trasse soll gleichzeitig mit S 21 fertig werden, nur zusammen ergeben die Projekte Sinn. Der Preisstand von 2004 liegt bei 2,0 Milliarden Euro. Nach einer Neuberechnung (Stand: Juli 2010) wird mit Kosten von 2,89 Milliarden Euro gerechnet.
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Der Verkehrswissenschaftler Karl-Dieter Bodack erwartet, dass der Bau wegen rund 50 Prozent Tunnelanteil und schwierigen Baugrunds auf der Schwäbischen Alb mit 5,5 Milliarden Euro fast dreimal so teuer wird.
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Karlsruhe-Basel: Der 190 Kilometer lange viergleisige Ausbaus im Rheintal wurde vor 23 Jahren begonnen und ist erst zu einem Drittel erledigt. Die Gesamtkosten sind allein seit 2003 von 3,4 auf mehr als 5,7 Milliarden Euro gestiegen. Noch 4,0 Milliarden sind zu finanzieren. Fertigstellung: nicht in Sicht.
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Nürnberg-Erfurt: 1997 wurde mit dem Trassenbau begonnen. Die Kosten sind auch wegen komplizierter Tunnel völlig aus dem Ruder gelaufen. Noch 2003 wurden 3,3 Milliarden Euro veranschlagt, inzwischen sind es fast 5,2 Milliarden. Mehr als 4,0 Milliarden sind noch zu finanzieren. Fertigstellung: frühestens 2017, vermutlich später. Das Bild von 2002 zeigt die fast fertiggestellte ICE-Brücke bei Ichtershausen auf der Strecke von Erfurt nach Nürnberg.
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Köln-Frankfurt: Die 177 Kilometer lange ICE-Trasse wurde 2005 fertig und kostete mit 6,0 Milliarden Euro mehr als doppelt so viel wie geplant.
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Nürnberg-München: In den 16 Jahren Bauzeit explodierten die Gesamtkosten von 1,5 auf 3,6 Milliarden Euro. Dafür wurden gerade mal 77 Kilometer von Nürnberg nach Ingolstadt neu gebaut und die bestehende Verbindung Ingolstadt-München ausgebaut. Bild: Bauarbeiten an der Neubaustrecke im Altmühltal auf der Höhe Kipfenberg im August 2002.
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Knoten Berlin: Die Modernisierung des Bahnnetzes in der einst geteilten Hauptstadt verschlingt Unsummen. Die Gesamtkosten werden inzwischen auf 6,4 Milliarden Euro veranschlagt. Der neue Hauptbahnhof kostete 1,2 Milliarden Euro - 700 Millionen mehr als geplant. Das Bild zeigt die Grundsteinlegung 1998 mit den Politikern dieser Zeit: Bürgermeister Eberhard Diepgen, Verkehrsminister Matthias Wissmann, Bahnchef Johannes Ludewig und Thyssen-Chef Ekkehard Schulz (v.l.).
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Citytunnel Leipzig: Das S-Bahnprojekt mit seinen beiden gerade mal 1400 Meter langen Tunnelröhren zum Hauptbahnhof wird mindestens eine Milliarde Euro kosten. Geplant waren 572 Millionen, inzwischen werden die Kalkulationen fast im Monatsrhythmus nach oben korrigiert. Fertigstellung: frühestens 2013 - vier Jahre später als geplant.
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Rhein-Ruhr-Express: Der RRX ist der Ersatz für die gescheiterten Transrapid-Pläne , er soll den Ballungsraum Düsseldorf-Duisburg besser auf der Schiene verbinden. Doch die Kosten explodieren schon vor Baustart, von 1,4 auf 2,0 Milliarden Euro. In manchen Papieren ist bereits von 2,7 Milliarden die Rede - weshalb die Bahn das Projekt intern als "bis 2025 nicht realisierbar" einstuft. Das Bild zeigt einen S-Bahn-Zug mit dem Außendesign des geplanten Rhein-Ruhr-Expresses.
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Stuttgart-Mannheim: Kostenexplosionen gab es schon bei der Bundesbahn: Die ICE-Trasse Stuttgart-Mannheim wurde 1975 für 2,5 Milliarden DM genehmigt, kostete am Ende aber 4,3 Milliarden DM (rund 2,2 Milliarden Euro). Die ICE-Trasse Hannover-Würzburg schlug mit fast 12,0 statt genehmigter 10,4 Milliarden DM zu Buche.
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Das Planungs-Chaos geht weiter: Ein zunächst geheimes Papier der Deutschen Bahn listet Neu- und Ausbauprojekte auf, die wegen Geldmangels möglicherweise nicht umgesetzt werden können. Die Grafik zeigt, welche Strecken betroffen sind.
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Kostenexplosionen und Verzögerungen: Für viele fest zugesagte Bahnprojekte fehlt das Geld. Kaum ein großes Bauvorhaben erfüllt den Plan. Zehn Beispiele.
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5672 Kunden seien bereits mit insgesamt 374 000 Euro entschädigt worden. Grube versprach, die von den Problemen betroffene Flotte der Generation ICE-2 für mehr als 100 Millionen Euro generalüberholen zu lassen. Zusätzlich werde nun geprüft, die Klimaanlagen in diese Generalüberholung einzubeziehen.
Wenig erfreulich war – zumindest auf den ersten Blick – auch das Geschäftsergebnis der Bahn. So verdiente der Konzern von Januar bis Juni mit 392 Millionen Euro gut 28 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2009. Finanzvorstand Richard Lutz begründete diesen Rückgang damit, dass es im Vorjahr einen Sondereffekt durch den Verkauf von Grundstücken gegeben habe. Deshalb sei es sinnvoller, das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) zu vergleichen – und hier verzeichnete die Bahn einen Zuwachs von gut 26 Prozent auf 846 Millionen Euro.
Der Umsatz des Konzerns kletterte um immerhin 12,8 Prozent auf 16,1 Milliarden Euro. Vor allem im Güterverkehr lief es für die Bahn deutlich besser: So stieg die Menge der beförderten Güter um mehr als 40 Prozent. Die Verschuldung sei um 151 Millionen Euro auf 14,9 Milliarden Euro zurückgeführt worden, erläuterte Grube: „Wir sind zurück auf Wachstumskurs.“
Der Bahnchef kündigte eine Kunden- und Qualitätsoffensive an, „wofür wir auch viel Geld in die Hand nehmen werden“. So soll das gesamte Servicepersonal an den Bahnhöfen mit modernen Smartphones ausgestattet werden. 1700 Bahnhöfe erhielten derzeit dynamische Schriftanzeigen. Auch sollen die Durchsagen und die Hilfestellungen für mobilitätseingeschränkte Reisende erweitert werden. Darüber hinaus soll mehr in die Technik der Züge investiert werden, um peinliche Störfälle wie kaputte Achsen an ICE-Zügen künftig zu vermeiden.
Angesichts der zahlreichen kostspieligen Aufgaben zeigte sich Grube wenig erfreut über die Tatsache, dass der Bund von der Bahn eine jährliche Ausschüttung von 500 Millionen Euro einfordert. „Über die Höhe der Dividende wollen wir wie jedes andere Unternehmen selbst entscheiden“, stellte er klar. Er strebe eine Überweisung in einer Größenordnung von 30 bis 40 Prozent des Gewinns an. „Das ist auch bei Dax-Konzernen so üblich.“
Es sei zwar grundsätzlich positiv, dass die Bahn dem Bund in diesen schweren Zeiten Mittel zukommen lassen könne, sagte Grube. „Doch lieber würde ich das Geld in den Schuldenabbau stecken.“ Ob die Kunden in diesem Jahr erneut mit einer Preiserhöhung rechnen müssen, sei noch nicht klar. „Das hängt auch vom Ausgang der Tarifverhandlungen ab“, erklärte der Bahn-Chef.