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Studie zur Pünktlichkeit der Bahn: Vor allem Fernzüge sind unpünktlich

In der jüngsten Pünktlichkeitsstudie der Stiftung Warentest hat die Deutsche Bahn einmal mehr schlechte Noten erhalten. Die hält die Studie jedoch für unseriös.

Berlin –  

Schwarz, rot und günstig ist das neue Angebot der Deutschen Bahn. Ab 1. Mai bietet der Konzern anlässlich der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer in Deutschland ein Sonderticket an: Bis zum Endspieltag am 17. Juli können Kunden mit der Weltmeister-Bahncard zum Preis von 25 Euro und jeweils 25 Prozent Rabatt auf Reisen gehen.

Vor allem Fernzüge sind laut einer Studie der Stiftung Warentest unpünkltich.
Vor allem Fernzüge sind laut einer Studie der Stiftung Warentest unpünkltich.
Foto: dapd

Ein Angebot, das seine Fans finden wird, aber eines leider nicht garantiert, dass die Züge auch weltmeisterlich fahren – also pünktlich. Denn in der jüngsten Pünktlichkeitsstudie der Stiftung Warentest hat die Bahn einmal mehr schlechte Noten erhalten: Zwischen Juli vergangenen Jahres und Ende Februar 2011 hatte jeder dritte Fernzug mindestens sechs Minuten Verspätung. Insgesamt ist auf Regionalzüge mehr Verlass als auf die Fernzüge. Während bei Fernzügen sieben Prozent mehr als eine halbe Stunde Verspätung hatten, betraf dies bei den Regionalzügen nur ein Prozent. Kein Wunder: Die Verkehrsverbunde dringen auf Pünktlichkeit, andernfalls drohen Abzüge.

Für ihre Erhebung wertete die Stiftung 1,3 Millionen Ankunftszeiten von Fern- und Regionalzügen in 20 Bahnhöfen aus. Am schlimmsten betroffen war Erfurt. Der Anteil der Verspätungen ab sechs Minuten lag dort bei 43 Prozent, gefolgt von Leipzig mit 39 Prozent. Auch in Hamburg, Berlin, Köln und Magdeburg registrierten die Warenschützer besonders viele Verspätungen.

Dass gerade der Osten so stark betroffen ist, liegt am Fluch der Moderne. Auf den Bahnhöfen Erfurt, Leipzig und Magdeburg wird seit Jahren gebaut, über Erfurt und Leipzig führt die künftige Neubaustrecke Berlin-Nürnberg-München. Zudem verkehren dort besonders moderne, aber auch sehr anfällige ICE-Züge mit Neigetechnik.

Die Bahn hält die Warentest-Studie für unseriös. Sie beschwert sich, dass der Zeitraum unberücksichtigt bliebt, in dem die Klimaanlagen nicht streiken und keine Lüftungsschlitze zufrieren können. „Gerade von März bis Ende Juni fahren wir besonders pünktlich, diese Monate wurden nicht gewertet“, so ein Sprecher. Laut Bahn erreichten die Züge im Nah- und Fernverkehr über das Jahr gerechnet eine Pünktlichkeitsquote von mehr als 90 Prozent.

Alternativen gibt es kaum

Daran zweifelt der Fahrgastverband Pro Bahn. „Gefühlt erscheint mir das Ergebnis der Stiftung Warentest richtiger“, so Pro-Bahn-Chef Karl-Peter Naumann. Er fordert die Bahn auf, so schnell wie möglich Langsamfahrstellen zu beseitigen, die Technik besser zu warten und Fahrgäste besser zu informieren. „Wenn der Kunde erfährt, wo es hakt und welche alternativen Verbindung es gibt, hat er mehr Verständnis.“

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Mit der Unpünktlichkeit muss der Kunde dennoch vermutlich noch Jahre leben. Denn aufgrund der Radwellen-Probleme bei vielen ICE-Zügen müssen diese häufiger als geplant in die Wartung. Reservezüge gibt es kaum. Die Bahn will nun die IC-Flotte und die ICE-2-Züge modernisieren und hat erstmals 27 Dopplestockzüge für den Fernverkehr bestellt. Zudem wurde 300 neue Züge als Nachfolger für die IC und später auch ICE in Auftrag gegeben. Das dauert, frühestens 2014 wird es Entspannung geben.

Alternativen gibt es kaum. Auch das Flugzeug ist nicht pünktlicher. Zwar kommt auf deutschen Flughäfen „nur“ jedes elfte Flugzeug verspätet an, doch tatsächlich sind es viel mehr. Während bei der Bahn ein Zug ab fünf Minuten Verspätung als unpünktlich gilt, beginnt bei den Airlines diese Statistik erst ab 15 Minuten.

Autor:  Peter Kirnich
Datum:  28 | 4 | 2011
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