Frankfurt a.M. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) nimmt die Deutsche Bahn und die Industrie angesichts winterbedingter Zugausfälle und Verspätungen in die Pflicht.
Dass ICE-Züge nicht führen, "nur weil Pulverschnee die Elektronik lahmlegt, ist für die Bahnhersteller blamabel", sagte Ramsauer der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Er erwarte von der deutschen Industrie, "dass ihre Züge bei minus 40 Grad in Sibirien und bei plus 40 Grad auf der Arabischen Halbinsel fahren". Schließlich wolle die Industrie ihre Züge auch dorthin verkaufen, sagte der Minister.
Von der Deutschen Bahn wiederum erwarte er Pünktlichkeit, Schnelligkeit, Sicherheit und Sauberkeit, sagte Ramsauer. Um dies zu gewährleisten, müsse der Konzern "höhere Anforderungen an die Bahnindustrie stellen".
Das Staatsunternehmen müsse sich aber auch fragen, ob es bei der Wartung genug unternehme, um die Züge in Schuss zu halten. Wegen eines hohen Kostendrucks seien in den vergangenen Jahre andere Ziele vernachlässigt worden. Dadurch sei in den Hintergrund gerückt, "dass die Bahn dem Gemeinwohl verpflichtet ist", sagte Ramsauer.
Wann ein neuer Anlauf für einen teilweisen Börsengang der Bahn wieder in Angriff genommen wird, ließ Ramsauer offen. "Dafür muss zunächst die Zeit an den Märkten reif sein", sagte der CSU-Politiker.
Die Bahn sei kein rein an kaufmännischen Überlegungen orientiertes Unternehmen, das auf einen Börsengang getrimmt werden könne. "Der Konzern muss immer auch die Bedürfnisse der Kunden und des Staates im Blick haben", sagte Raumsauer.
Bahn fährt nur mit Teil ihrer Flotte
Reisende müssen weiter mit Einschränkungen im ICE-Verkehr der Deutschen Bahn rechnen. Wegen des Winterwetters und der vom Eisenbahnbundesamt verlangten verstärkten Überprüfungen bestehe eine "geringere Verfügbarkeit von Fahrzeugen", sagte ein Sprecherin des Staatskonzerns.
Deswegen würden zum Teil auch verkürzte Züge eingesetzt, was zu überfüllten Abteilen führen könne. "Es kann sein, dass in einzelnen Fällen Reisende den Zug verlassen müssen", räumte die Sprecherin ein. Zur aktuellen Verfügbarkeit der ICE-Flotte wollte sich der Konzern nicht äußern, sie liege allerdings bei über 70 Prozent.
Nachdem am 9. Juli 2008 ein ICE bei der Ausfahrt aus dem Kölner Hauptbahnhof wegen einer gebrochenen Radsatzwelle entgleist war, hatte das Eisenbahnbundesamt dem Konzern auferlegt, die Achsen alle 30.000 statt alle 300.000 Kilometer zu kontrollieren. Ursache für den Achsbruch waren "fertigungsbedingte Materialeinschlüsse. Die Industrie entwickelt derzeit neue Achsen. (afp/ddp)