Der 2:1-Triumph des 1. FFC Frankfurt im DFB-Pokal über Turbine Potsdam nach Toren von Svenja Huth und Kerstin Garefrekes war nicht nur „rein numerisch verdient“, wie der Potsdamer Trainer Bernd Schröder nach dem Spiel vorrechnete. Der Sieg war das Ergebnis einer modernen Auffassung von Fußball, für die der 40 Jahre alte Frankfurter Trainer Sven Kahlert steht.
Nicht nur 2009 schoss der Potsdamer Trainer Bernd Schröder Giftpfeile in Richtung Frankfurt. Kernthese: Potsdam − und er persönlich als Mensch − stünden moralisch über dem 1. FFC Frankfurt und seinem Manager Siegfried Dietrich. Der Frankfurter Manager konterte, und warf dem Potsdamer Trainer vor, nicht modern zu sein. Spätestens seit dieser Zeit fällt immer wieder das Wort „Philosophie“, wenn es um die Animosität der beiden Vereine geht. Tatsächlich rekrutiert Potsdam viele Nachwuchstalente aus der eigenen Eliteschule. Frankfurt geht auch schon mal auf Einkaufstour. „Professionalisierung“, nennt das Dietrich.
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So kann zwar Schröder für seine Spielerinnen Nibelungentreue anmahnen und jede verdammen, die sich irgendwann von Potsdam hin zu einem anderen Verein bewegt. Conny Pohlers, Ariane Hingst und Nadine Angerer können auf Frankfurter Seite ein Lied davon singen, was es heißt, Potsdam den Rücken zu kehren. Auf der anderen Seite muss sich Schröder vor allem nach diesem Pokalfinale vorwerfen lassen, ein antiquiertes Spielsystem zu betreiben. Es wurde mehr als deutlich, dass Frankfurt die ganz klar bessere Spielanlage hat, obwohl Potsdam Deutscher Meister geworden ist. Es ist ein verdienter Titel für Frankfurt nach drei mageren Jahren. Relativ teuer bezahlt dafür hat Ariane Hingst. Die Nationalspielerin hat sich vermutlich einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen.
Turbine Rehhagel
Der erst seit eineinhalb Jahren in der Bundesliga tätige Sven Kahlert propagiert das Flügelspiel mit aufrückenden Außenverteidigerinnen und zwei Spielerinnen auf der Sechserposition. Gegen Potsdam besonders stark: Melanie Behringer, die vor allem in der ersten Halbzeit im Mittelfeld unheimlich aufräumte und das Spiel nach vorne unterstützte. Auf der anderen Seite wird bei Potsdam nach Rehhagel-Art aufgestellt.
Turbines 68 Jahre alter Altmeister Bernd Schröder ließ Nationalspielerin Babett Peter auf der Libero-Position spielen und stellte zwei Manndeckerinnen gegen den Frankfurter Angriff. Dadurch wirkte Potsdam wie das Kaninchen vor der Schlange, das nur auf den Sturmlauf der Gegner wartet. Regelmäßig schlug Babett Peter einfach nur destruktiv den Ball weit nach vorne. „Dabei hat die Nationalspielerin so unheimlich viel Qualität“, wunderte sich Sven Kahlert. Potsdam hat auf Grund seines starken Angriffs noch immer Erfolg. Die taktische Weiterentwicklung in den 40 Jahren seiner Tätigkeit ist Schröder aber nicht mitgegangen.
Während Turbines Trainer nach dem Spiel behauptete, „Frankfurt hat hier und da die besseren Einzelspielerinnen und damit das bessere Spiel“, war Kahlert besonders stolz darauf, „zwei Wochen lang Laufwege gegen Potsdam einstudiert“ zu haben. Der 1. FFC Frankfurt hatte sich sogar eines unabhängigen Stuttgarter Scouts bedient, um Turbine zu studieren. Nicht vermeintliche Allwissenheit, sondern das Einholen vieler Meinungen zeichnet Kahlert aus. Statt auf eine dominante Potsdamer „Vaterfigur“ wie Bernd Schröder setzt Frankfurt zudem auf ein junges Trainerteam, das vielen Spielerinnen vom Alter sehr nahe steht.
Kahlert arbeitet eng mit seinem Co-Trainer Kai Rennich zusammen, lobt den Gleichaltrigen bei jeder Gelegenheit. Zudem werden die Spielerinnen in alle Entscheidungen massiv eingebunden. „Frauenfußball und die elf Spielerinnen sind eine Wundertüte“, sagte Schröder nach dem Spiel, weil er nicht immer verstehe, was in den Köpfen vorgeht. „Ich erkläre dir das gerne nachher“, bot ihm die Frankfurter Torhüterin Nadine Angerer an. Trainer Kahlert muss sie nichts erklären. Ihr Trainer holt ständig den Rat seiner Spielführerin ein.
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