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Mohammed-Video
Der Protest der Muslime gegen das Schmähvideo.

13. September 2012

Jemen: Zwei Tote bei Angriff auf US-Botschaft

Aufgestachelt durch Gerüchte und einen dümmlichen Film: In Jemen greifen junge Männer die US-Botschaft an.  Foto: Reuters

Wieder gab es Angriffe auf eine US-Botschaft. Im Jemen versuchten aufgebrachte Demonstranten das Gebäude zu stürmen. Dabei kamen zwei Personen ums Leben.

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Bei erneuten Zusammenstößen vor der US-Botschaft im Jemen sind am Donnerstag zwei Demonstranten getötet worden. Nach Polizeiangaben starben die Männer durch Schüsse der Sicherheitskräfte, mindestens zehn weitere Menschen wurden verletzt. Die Polizei hinderte die Menge daran, auf das Botschaftsgelände vorzudringen.

Am Morgen hatten mehrere tausend Demonstranten bei Protesten gegen einen antiislamischen Film das Botschaftsgelände gestürmt und Fahrzeuge in Brand gesetzt, bevor die Polizei die Menge mit Wasserwerfern und Warnschüssen zurückdrängte. Der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi zeigte sich „bestürzt“ über den Angriff auf die Botschaft.

Blutige Ausschreitungen

Seit Dienstag gibt es in zahlreichen Ländern Proteste gegen einen US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, dabei kam es in Libyen und Ägypten zu blutigen Ausschreitungen. In dem umstrittenen Video wird der Prophet Mohammed als Frauenheld und vertrottelter Bösewicht dargestellt. Im Islam ist die Darstellung Gottes oder des Propheten Mohammed verboten.

In Kairo stürmten militante Islamisten die US-Botschaft. Das US-Konsulat im libyschen Bengasi war am Dienstag mit Raketen und Granaten angegriffen worden. US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter wurden getötet, auch mehrere libysche Sicherheitskräfte starben. Der Angriff ereignete sich am Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001, ein für islamistische Terroristen symbolisches Datum.

Proteste im Iran

Die Proteste in der arabischen Welt gegen einen islamfeindlichen Film sind auch auf den Iran übergegriffen. Rund 500 Islamisten haben am Donnerstag in Teheran protestiert und lautstark den Tod des Filmemachers gefordert. Die Demonstranten versammelten sich vor der Schweizer Botschaft, die die Interessen der USA im Iran vertritt. Sie riefen „Tod den USA“ und „Tod für Israel“. Hunderte Wachleute hielten die Iraner davor zurück, die Botschaft zu stürmen. Die USA und der Iran unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Weitere Demonstrationen gegen den Film sind im Iran nach den Freitagsgebeten geplant.

Todesumstände ungeklärt

Die genauen Umstände der Tötung des US-Botschafters in Libyen bleiben allerdings rätselhaft. Viele Einzelheiten des tödlichen Angriffs auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi seien „unbekannt oder unklar“, sagte ein US-Regierungsbeamter am Mittwoch (Ortszeit) während einer vom Außenministerium in Washington organisierten telefonischen Pressekonferenz.

Demnach hatten „nicht identifizierte libysche Extremisten“ am Dienstag um 22.00 Uhr Ortszeit das Konsulatsgelände in Bengasi beschossen. Eine Viertelstunde später drangen die Angreifer den Worten des Regierungsbeamten zufolge auf das Gelände vor, eröffneten das Feuer auf das Hauptgebäude und setzten es in Brand. Libysche und US-Wachleute erwiderten das Feuer. Der US-Botschafter Chris Stevens, der für Kommunikation zuständige US-Diplomat Sean Smith und ein für „regionale Sicherheit“ zuständiger US-Offizier hätten sich zu diesem Zeitpunkt im Hauptgebäude befunden. Doch der vom Feuer ausgehende „dichte schwarze Rauch“ habe sie auseinandergetrieben.

Dem Offizier sei es gelungen, aus dem brennenden Gebäude herauszukommen. Zusammen mit einem anderen Offizier sei er in das Hauptgebäude zurückgekehrt, um Stevens und Smith zu Hilfe zu kommen. Im Gebäude fanden sie Smiths Leiche und brachten sie ins Freie. Der Botschafter jedoch sei unauffindbar gewesen. Mehrere Sicherheitsoffiziere hätten versucht, in das Hauptgebäude zu kommen, feindlicher Kugelhagel habe sie aber jedes Mal davon abgehalten. Sie hätten daraufhin Schutz im Nebengebäude des Konsulats gesucht.

Gegen 23.20 Uhr hätten US-Sicherheitsleute die Kontrolle über das Hauptgebäude zurückgewonnen. Danach hätten die Angreifer das Nebengebäude „zwei Stunden lang“ unter Beschuss genommen. Dabei seien zwei US-Agenten getötet und zwei weitere verletzt worden. Ab 02.00 Uhr hätten die libyschen Sicherheitskräfte dabei geholfen, wieder Herr der Lage zu werden. Inmitten des Chaos müsse der Botschafter irgendwann aus dem Gebäude geholt und in ein Krankenhaus in Bengasi gebracht worden sein, wo sein Tod festgestellt wurde.

Die US-Behörden hätten keine Informationen über Stevens' Schicksal von dem Augenblick, als er vom Rest der Gruppe getrennt wurde bis zu dem Moment, „als man uns informiert hat, dass er in einem Krankenhaus in Bengasi sei“, sagte der US-Regierungsbeamte. Stevens' Leiche sei den US-Behörden später am Flughafen von Bengasi übergeben worden. Die US-Bundespolizei FBI leitete Ermittlungen ein, eine Autopsie der Leiche ist vorgesehen. Bei dem Angriff wurden Stevens und Smith sowie zwei weitere US-Mitarbeiter getötet, auch mehrere libysche Sicherheitsleute starben. (dpa/afp)

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