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Mohammed-Video
Der Protest der Muslime gegen das Schmähvideo.

24. September 2012

Pakistan: Mordaufruf als Wahltaktik

 Von Willi Germund
Ghulam Ahmad Bilour, Eisenbahnminister in Pakistan Foto: dpa

Pakistans Eisenbahnminister Ghulam Ahmed Bilour bietet demjenigen 100.000 Dollar, der den Regisseur des Mohammes-Videos umbringt. Zwar schreckt er damit die Regierung auf, besonders groß ist der Zorn nicht. Nicht einmal sein Rücktritt steht im Raum.

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Der Vater von Pakistans Eisenbahnminister Ghulam Ahmad Bilour würde sich wohl im Grab herumdrehen. Schließlich war er ein Bewunderer des Paschtunenführers Bacha Khan, der gemeinsam mit Mahatma Gandhi kämpfte und später eine gewaltlose Bewegung im Nordwesten des heutigen Pakistans anführte. Sohn Bilour dagegen tendiert zum anderen Extrem. „Ich kündige an, dass dieser Gotteslästerer, dieser Sünder, der Unsinn über den Propheten gesprochen hat, es verdient, ermordet zu werden. Ich werde jedem, der diese Tat vollbringt, 100.000 US-Dollar zahlen.“ Und dann lud er gleich noch die radikalislamischen Taliban-Milizen und Al-Kaida ein, bei der Hatz mitzumachen.

Das nötige Geld besitzt der Minister. Ursprünglich aus dem Grenzgebiet zu Afghanistan stammend gehört Bilours Clan zu den Großgrundbesitzern und reichen Unternehmern, die Pakistans Politik dominieren. Er ist nicht nur ein altgedienter Haudegen der Awami National Party (ANP), die für die Rechte der 27 Millionen Paschtunen in Pakistan kämpft und zur Regierungskoalition der Pakistan Peoples Party (PPP) zählt. Der Kopfgeldminister gilt auch als aussichtsreichster Kandidat für das Amt des ANP-Vorsitzenden bei bald anstehenden Wahlen.

Als Eisenbahnminister brillierte Bilour vorwiegend als Interessen-Vertreter der „Transporter“, der starken Lobby der Fuhrunternehmen von Lastwagen, die nichts unversucht lassen, jeden Ausbau und jede Modernisierung der Eisenbahn zu verhindern. „Weder Saudi Arabien noch Afghanistan haben Eisenbahnen“, tönte er als Minister, „wozu braucht Pakistan dann eine.“

Regierung will bis zur Wahl überleben

Nun hat er mit seinem Kopfgeld-Angebot nicht nur die Welt aufgeschreckt, sondern auch die Regierung in Islamabad. Ein Sprecher des Premierministers distanzierte sich umgehend von der Brandrede des Eisenbahnministers. Doch groß ist der Zorn nicht gerade. Denn gegenwärtig steht nicht einmal ein Rücktritt des Ministers zur Diskussion. Die Regierung bewegen gegenwärtig lediglich zwei Ziele: Erstens will sie bis zur nächsten Wahl überleben. Damit würde sie in Pakistans Geschichte eingehen als erste zivil gewählte Regierung, die ihre Amtsperiode vollendet. Zweitens will die PPP unbedingt an der Macht bleiben und die Wahl Anfang 2013 gewinnen. In Pakistan ist es bei vorgeblich gemäßigten Parteien schon lange üblich, im Notfall die radikale islamische Karte zu spielen, um sich Lieb Kind bei den Wählern zu machen.

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