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Apollo-Programm: Die kurze Zeit der Mondsucht

Der Kalte Krieg und die in Nazi-Deutschland entwickelte V2-Rakete waren die Väter des Apollo-Programms und der Mondlandung. Von Karl-Heinz Karisch

Krieg ist der Vater aller Dinge, sagte Heraklit. Beim Apollo-Programm, der bedeutendsten technologischen Höchstleistungen dieses Jahrhunderts, muss man hinzufügen: der Kalte Krieg. Nur er weckte die Bereitschaft der US-Politiker, Milliarden in dieses abenteuerlichste Projekt aller Zeiten zu stecken.

Der junge Präsident John F. Kennedy war Anfang der 60er Jahre ganz sicher nicht der visionäre Romantiker, der vom Glauben an die letzte Grenze der Amerikaner im All beseelt gewesen wäre. Er war ein von den ständigen Attacken seines sowjetischen Gegenspielers Nikita Chruschtschow entnervter Präsident.

Die Kuba-Krise, die Berlin-Blockade und später der Mauer-Bau zehrten an Washingtons Selbstvertrauen. Kennedys späterer Wissenschaftsberater Jerome B. Wiesner war es, der den Präsidenten deshalb drängte, die Eroberung des Weltraums voranzutreiben. Dieses Thema werde in den folgenden Jahren die öffentliche Meinung weltweit beherrschen, prophezeite er. Wie recht Wiesner hatte, zeigte sich am 12. April 1961 mit der spektakulären Erdumrundung Jurij Gagarins in seinem Wostok-Raumschiff. Sie machte den ersten Kosmonauten weltweit zum Helden.

Dies und vor allem die wenige Tage später fehlgeschlagene CIA-Invasion in der kubanischen Schweinebucht ließen Kennedy das Mond-Projekt dann innerhalb weniger Wochen vorantreiben. Nur die für damalige Verhältnisse astronomische Summe von 33 Milliarden Dollar, die die US-Weltraumbehörde Nasa für das Projekt veranschlagte, war ein gewaltiger Bremsklotz.

Kennedys Vize Lyndon B. Johnson gelang schließlich das Kunststück, die führenden Politiker von Demokraten und Republikanern vom politischen Sinn eines Mondfluges zu überzeugen. So konnte Kennedy am 25. Mai 1961 vor beiden Häusern des Kongresses das Apollo-Programm verkünden.

Zugleich wurde nun das militärische Raumfahrtprogramm mit der Entwicklung immer leistungsfähigerer Interkontinentalraketen und Spionagesatelliten vorangetrieben. Der moralische Preis des Raumfahrtprogramms war hoch.

Da eigene Versuche zur Entwicklung von Raketen weitgehend fehlgeschlagen waren, setzte der US-Präsident nun alle Karten auf Wernher von Braun und sein Team. Die Mannschaft, die einst für Hitler die "Vergeltungswaffe" V-2 entwickelt hatte, war nach dem Krieg vom US-Geheimdienst an den anderen Behörden vorbei in die USA gebracht worden.

Ihre belasteten Lebensläufe im Dienste der braunen Machthaber wurden in der berüchtigten Aktion "Paperclip - Büroklammer" bereinigt. Skrupel schienen nicht angebracht; von Brauns Atomrakete "Redstone", die 1958 einsatzbereit war, wischte alle möglicherweise noch vorhandenen Zweifel weg.

Kennedy erlebte die Landung auf dem Mond nicht mehr. Er wurde vorher ermordet. Von den insgesamt zehn geplanten Mondlandungen fanden bis 1972 nur sieben statt. Bereits nach der historischen ersten Landung war das öffentliche Interesse der Amerikaner schlagartig zurückgegangen.

Die hohen Kosten des Vietnam-Krieges mit seinen vielen Toten, die Proteste der Studenten - das alles ließ für kostenträchtige Abenteuer im Weltraum nur noch wenig Raum.

Wissenschaftlich gesehen haben die Missionen wenig gebracht. Mondgestein kann (aus Meteoriteneinschlägen) auch am Südpol der Erde gefunden werden. Die Rückkehr des Menschen zum Mond oder gar ein Flug zum Mars dürften deshalb noch für lange Zeit pure Wunschphantasien bleiben. Ein neuer Kalter Krieg als Promotor ist glücklicherweise nicht in Sicht. Bereits mit dem Bau der Internationalen Raumstation haben sich die Teilnehmerländer finanziell überhoben. So bleibt von Apollo die Erinnerung an zwei Tage im Juli 1969, als die Menschen mondsüchtig wurden. Aber nur für sehr kurze Zeit.

Autor:  Karl-Heinz Karisch
Datum:  10 | 7 | 2010
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