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Deutsche Weltraum-Mission: Wahlkampf auf dem Mond

Das erste schwarz-gelbe Projekt ist am Start: Union und FDP wollen eine milliardenteure Mission ins All. Grüne und Linke schütteln die Köpfe. Von Gerold Büchner

Wenn es im Bundeskabinett um Geld für neue Vorhaben geht, weiß Peter Hintze, darf man den Finanzminister nicht angucken. Weil der doch bloß die Millionen zusammenhalten will, gerade jetzt, da die Krise riesige Löcher in den Etat reißt. Und bei Hintzes Anliegen geht es um einen größeren Betrag, eineinhalb Milliarden Euro etwa. So viel würde eine deutsche Mondmission kosten, schätzt der Koordinator der Regierung für die Luft- und Raumfahrtindustrie. Nach Ansicht Hintzes, der auch CDU-Abgeordneter und parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium ist, wäre das Geld gut angelegt. "Wir brauchen etwas, was unsere Technologie weiterentwickelt und sie auch zeigt", sagte er am Mittwoch, als er seinen Bericht zur deutschen Luft- und Raumfahrt vorstellte.

Die Mondmission wird darin nur auf einer von weit über hundert Seiten behandelt. Für Hintze steht das Projekt dennoch im Mittelpunkt. Bis 2015 könne eine unbemannte Mission samt Kommunikationssatellit, automatisiertem Landesystem und mobilem Forschungsroboter zum Mond abheben. Besonders für die deutsche Robotertechnik bringe ein solches Vorhaben einen Schub. Industrie und Medizintechnik könnten von Erfindungen aus der Raumfahrt profitieren.

Bis 2015 könne eine unbemannte Mission samt Kommunikationssatellit, automatisiertem Landesystem und mobilem Forschungsroboter zum Mond abheben - glaubt die CDU.
Bis 2015 könne eine unbemannte Mission samt Kommunikationssatellit, automatisiertem Landesystem und mobilem Forschungsroboter zum Mond abheben - glaubt die CDU.
Foto: Astrium/dpa

Der Mond, schwärmte der Christdemokrat, sei zudem "das Archiv unseres Sonnensystems" und könne künftig als Zwischenstopp ins All dienen - da müsse Deutschland sich Mitnutzungsrechte sichern. Vor allem aber, hofft Hintze, möge der Mondflug der Phantasie und dem Entdeckerdrang jüngerer Bundesbürger Flügel verleihen. Von einer "Signalwirkung" für Hochtechnologie sprach der gelernte Pfarrer und von "Inspiration": Die sei beim Mond nun einmal größer, als wenn man einen Roboter durch ähnlich raues Gelände in der Sahara fahren lasse. Dank der Mondmission könnte die Akzeptanz der Raumfahrt wachsen.

Die ist offenbar selbst in der Regierung nicht uneingeschränkt vorhanden, wenn man Hintze glaubt. Zwar habe er am Kabinettstisch "viele freudige oder interessierte Gesichter gesehen", als er seine Pläne vorstellte. Darunter sei das der Kanzlerin Angela Merkel gewesen. Peer Steinbrück (SPD) aber musste er zum Glück nicht in die Augen schauen. "Der Finanzminister saß neben mir", sagte Hintze fröhlich.

Die Reise zum Mond

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FDP mit im Boot

Unterstützung bekam er von der FDP. "Der Mond kann uns viel über die Erde sagen", sagte die technologiepolitische Sprecherin Ulrike Flach der Frankfurter Rundschau. Die Raumfahrt sei "ein wichtiger Wirtschaftsfaktor" und habe sehr konkrete Bezüge zu Klima- und Umweltschutz, Flugsicherheit sowie Satellitennavigation. Die Finanzierung erscheine "machbar, wenn im Bundeshaushalt entsprechend umgeschichtet wird", sagte Flach.

Der Grünen-Experte Peter Hettlich wandte sich allerdings gegen nationale Alleingänge: "Das ist Verschwendung von Steuergeld." Für die Linke erklärte Fraktionsvize Gesine Lötzsch, die Regierung verliere jede haushaltspolitische Glaubwürdigkeit. Das Projekt sei "eine Schnapsidee".

Dabei gibt es die Mondpläne schon länger, angestoßen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt unter dem Namen "LEO". Vor gut einem Jahr wurden sie vom Wirtschaftsministerium aus Kostengründen auf Eis gelegt. Damals waren 350 Millionen Euro veranschlagt. Dass er früher diesen deutlich niedrigeren Betrag nannte, sagte Hintze am Mittwoch, sei ein "strategischer Fehler" gewesen: "Das war einfach zu wenig."

Autor:  Gerold Büchner
Datum:  12 | 8 | 2009
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