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Raumfahrt-Experte Wörner: "Der erste Schritt muss getan werden"

DLR-Chef Johann-Dietrich Wörner über technische Innovationen und das Geheimnis des Erdtrabanten.

Professor  Johann-Dietrich Wörner  ist  Vorsitzender des Vorstandes des Deutschen  Zentrums für  Luft- und  Raumfahrt (DLR) in Köln.  Zuvor war Wörner Präsident der Technischen Universität Darmstadt.
Professor Johann-Dietrich Wörner ist Vorsitzender des Vorstandes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Zuvor war Wörner Präsident der Technischen Universität Darmstadt.
Foto: dpa

Herr Professor Wörner, noch im vergangenen Jahr sind die Pläne für eine deutsche Mondmission gescheitert. Jetzt plötzlich will die Bundesregierung 1,5 Milliarden Euro lockermachen. Was ist geplant?

Gegenüber dem ursprünglichen 350 Millionen Euro teuren Programm ist das neue auf einen längeren Zeitraum ausgerichtet. Neben der wissenschaftlichen Erkundung unseres Erdtrabanten von einem Satelliten aus ist nun auch die unbemannte Landung einer Sonde geplant. Damit können wir das deutsche robotische Know-how besonders gut einsetzen.

Zur Person

Professor Johann-Dietrich Wörner ist Vorsitzender des Vorstandes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Zuvor war Wörner Präsident der Technischen Universität Darmstadt.

Kann diese Landesonde anschließend mit Mondstaub zur Erde zurückkehren?

Nein, dieser Roboter soll Bodenproben nehmen und in einem bordeigenen Labor analysieren.

Nun lagern ja schon etliche hundert Kilogramm Mondgestein aus den Apollo-Missionen der Amerikaner auf der Erde. Welche neuen Erkenntnisse sind da zu erwarten?

Der Mond ist wissenschaftlich vor allem deshalb interessant, weil er offenbar vor rund 4,5 Milliarden Jahren aus einem gewaltigen Crash der Vorerde mit einem Mars-großen Himmelskörper hervorgegangen ist. Der Mond ist quasi ein Geschichtsbuch der Erde, weil er sich wegen der fehlenden Atmosphäre seitdem kaum verändert hat. Er trägt die Geschichte des Beginns unseres Sonnensystems noch unverfälscht in sich.

Derzeit erforschen mehrere Staaten den Mond, darunter auch die USA und China. Was bleibt für Deutschland zu tun?

Bei einer solchen sehr ambitionierten Mondmission kann man etwa robotische Technologien entwickeln, die auch auf der Erde von sehr großem Nutzen sind - etwa bei künstlichen Herzen oder Medikamentenpumpen, aber auch bei anderen Weltraummissionen. Hier werden keine Geldscheine sinnlos auf den Mond geschossen, sondern bei uns entstehen hochinnovative und spezialisierte Arbeitsplätze. Das fördert auch den Industriestandort Deutschland, weil von der Raumfahrt auch immer starke Impulse in die irdische Wirtschaft ausgegangen sind.

Das klingt ein wenig so, als ob der wissenschaftliche Nutzen einer Mondmission mehr hier auf der Erde zu finden ist?

Dass die Raumfahrt ungeheuer großen Einfluss auf unsere heutiges Alltagsleben hat, ist doch unübersehbar. Ich nenne nur mal Wettervorhersage, Umweltbeobachtungen, Navigationssysteme oder Fernsehen, Telefonieren und Datentransport via Satelliten. Raumfahrt ist als Fakt gesetzt. Ein nützliches Produkt aus der Raumfahrt ist fast in jedem Haushalt zu finden: der Akkubohrer und -schraubenzieher. Mehr als 1600 Produkte sind so direkt aus der Raumfahrt entstanden.

Herr Professor Wörner, wenn Sie einmal visionär in die ferne Zukunft blicken. Was könnte auf dem Mond alles entstehen?

Der Mensch wird sicher eines Tages zum Mars oder noch ferneren Planeten fliegen. Das sind natürlich weitaus größere Herausforderungen als ein Flug zum Mond. Aber der erste Schritt muss getan werden, sonst kommt man nicht vorwärts.

Interview: Karl-Heinz Karisch

Datum:  12 | 8 | 2009
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