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19. Oktober 2015

DTM Hockenheim: Pascal Wehrleins kometenhafter Aufstieg

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Obenauf: Der Weg von Pascal Wehrlein führt wohl in die Königsklasse des Motorsports.  Foto: dpa

Ausnahmetalent Pascal Wehrlein krönt sich zum jüngsten Meister der DTM-Geschichte - ein Wechsel in die Formel 1 ist wahrscheinlich.

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Es war wie auf dem Kirmesplatz. Wie die Halbstarken auf dem Dorffest, die mit waghalsigen Rammstößen beim Autoscooter die schönsten Bräute beeindrucken wollen, so hatten auch die Fahrer in ihren aufgemotzten Schlitten die Ärmel beim vorletzten Rennen der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) hochgekrempelt. Im übertragenen Sinne ging es am Samstag auf dem Hockenheimring auch ums Abschleppen, ums Abschleppen der Trophäe des DTM-Champions 2015 nämlich.

Weil die Stimmung sich im Laufe der Saison ähnlich aufgeheizt hatte wie in einem Bierzelt, gingen die eigentlich alle aus gutem (Auto)-Hause stammenden Protagonisten gleich heftig aufeinander los. Es waren noch keine zwei Runden gedreht, da hatte sich Edoardo Mortara (Audi), einer der schärfsten Verfolger von Titelfavorit Pascal Wehrlein (Mercedes), nach einem Schubser gegen Timo Glock (BMW) selbst aus dem Feld gekegelt. Weil es noch mehr Premium-Autoschrott von der Strecke zu räumen galt, bekam das Safety Car einen Einsatz. „Auf vielerlei Seiten ist nicht mit so viel Hirn gefahren worden“, hatte Audi-DTM-Leiter Dieter Gass das anfängliche Hauen und Stechen sehr klug beobachtet.

Die streng reglementierte Sicherheitsrundfahrt hat dann die Gemüter spürbar beruhigt, so dass Pascal Wehrlein sich wie erwartet zum weitaus jüngsten DTM-Meister küren konnte. Am Tag seines bislang größten Triumphes war der im schwäbischen Worndorf groß gewordene Mercedes-Pilot noch 20 Jahre alt, sein Vorgänger Gary Paffett war 2005 24 Jahre alt. Am Sonntag feierte Wehrlein seinen 21. Geburtstag und drohte nach dem für die Meisterschaftsentscheidung unwichtig gewordenen Sonntagsrennen in einem für ihn ungewöhnlichen Anflug von überbordender Leidenschaft an, „die Mercedes-Hospitality abzureißen“. Sonst benutzte der smarte neue Stern am Auto-Himmel bei der improvisierten Siegerkonferenz am häufigsten das Wort „cool“ in allen möglichen Zusammensetzungen: „ziemlich cool“, „sehr cool“, „einfach cool“.

Echt cool auch, wie Wehrlein die Runde mit den Journalisten im Stile eines abgebrühten Einser-Abiturienten absolvierte. Er ließ sich keine Schwäche anmerken, höchstens ein Ausweichmanöver, wenn es um die für ihn heikelste Situation seiner kometenhaften Karriere geht. Im Frühjahr 2014 war der damals 19-Jährige Mercedesfahrer laut den Ermittlungen der Südtiroler Justiz der Hauptschuldige an einem Unfall während des WM-Trainingslagers der deutschen Fußballnationalmannschaft. Bei dem Sponsorenteam hatte Wehrlein bei einer Showfahrt einen Rentner aus Thüringen schwer verletzt. Fragen nach dem heutigen Gesundheitszustand des Unfallopfers beantwortet Wehrlein mit dem immer gleichen Satz: „Dazu ist alles gesagt. Mit Rücksicht auf die Familie des Verletzten gebe ich keine weiteren Auskünfte.“

Weitaus „redseliger“ gebärden sich die streitbaren Freunde des gepflegten Hightech-Autoscooters in den sozialen Netzwerken, wo sich der Sieger des Rennens vom Samstag, Timo Scheider, und der neue Champion vor dem Showdown gegenseitig kräftig an den Karren gefahren waren. Umso erstaunlicher dann eine kurze Szene unmittelbar nach Rennende: In der Boxengasse war zu sehen, wie ein Audi-Fahrer Wehrlein nicht nur gratulierte, sondern ihn kurz mit einer Kopf-an-Kopf-Berührung herzte. Später wollten weder der Mercedes-Pilot noch sein Konkurrent aus der Ingolstädter Garage sich an die Szene erinnern: „Ich habe herzlichen Glückwunsch gesagt,“, sagte Scheider, während Wehrlein sich nur an einen Händedruck erinnern mochte.

Großes Lob von Toto Wolff

Es war ja tatsächlich eine Ironie der Geschichte, dass Scheider nach fünf sieglosen Jahren das Rennen gewann, in dem dem Youngster ein achter Platz zur Krönung genügte. Bittersüß war das für den früheren Doppel-Champion, der trotz des späten Sieges um die Fortsetzung seiner DTM-Karriere fürchten muss. Der 36-Jährige sitzt auf einem Schleudersitz. Dagegen setzt, das scheint allen Wort-Schikanen zum Trotz sicher zu sein, Wehrleins Karriere gerade zu einem neuen Höhenflug an. Der Worndorfer Formel-1-Ersatzpilot im Mercedes-Team darf wohl im nächsten Jahr im Manor-Marussia Platz nehmen, der dann von einem Mercedes-Aggregat angetrieben wird. „Mal sehen was kommt“, sagte Wehrlein in Hockenheim nur.

Einen Lorbeerkranz hatte ihm Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff da schon geflochten: Wehrlein, so sein Eindruck, fahre bereits auf Augenhöhe mit Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Es ist möglicherweise keine schlechte Idee, sich aus der DTM zu verdünnisieren. Obwohl es die drei deutschen Hersteller zum Saisonabschluss noch mal ordentlich in ihren eigens aufgebauten Auto-Palästen krachen ließen, wird hinter verschlossenen Vorstandstüren gerechnet, ob der Aufwand noch in einem vertretbaren Verhältnis zum schwindenden Ertrag steht. Pläne, die DTM zu internationalisieren, stecken trotz eifriger Dementis in einer Sackgasse.

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