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05. November 2012

Formel 1: Die Reifeprüfung des Sebastian Vettel

 Von Elmar Brümmer
Sebastian Vettel feiert den dritten Platz. Foto: dapd

Mit dem Gewaltakt beim Formel-1-Rennen in der Wüste manifestiert Sebastian Vettel seine Ausnahmestellung. Die furiose Aufholjagd gibt Bonuspunkte fürs Selbstvertrauen: Vettel und Red Bull rücken nun noch näher zusammen.

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Mit dem Gewaltakt beim Formel-1-Rennen in der Wüste manifestiert Sebastian Vettel seine Ausnahmestellung. Die furiose Aufholjagd gibt Bonuspunkte fürs Selbstvertrauen: Vettel und Red Bull rücken nun noch näher zusammen.

Er nennt das: „Bei den Hörnern packen.“ Aber es war viel mehr, als nur eine Chance zu nutzen, die es eigentlich gar nicht gab. Sebastian Vettel ist mit seinem dritten Platz beim Großen Preis von Abu Dhabi nicht bloß seinem angestrebten Titel-Hattrick in der Formel 1 ein gewaltiges Stück näher gekommen (bei zwei noch ausstehenden Rennen hat er zehn Punkte Vorsprung auf Fernando Alonso). Der 25-jährige Heppenheimer hat sich mit der furiosen Aufholjagd vom letzten Startplatz aus eine Reputation herausgefahren, die ihm bislang trotz der vielen „jüngster Sieger...“-Erfolge verwehrt geblieben war. Zu oft hatte die Red-Bull-Finanzkraft die Leistungen des Einzelnen überstrahlt.

Mit dem Gewaltakt in der Wüste aber hat Vettel seine Ausnahmestellung manifestiert – intern wie extern. Es war die Reifeprüfung für den gefühlten Sieger.

Die Kraft des Einzelnen

Das, was der große Gegenspieler Alonso die ganze Saison über vorgelebt hat, bewies Vettel, als es nach der peinlichen Tank-Panne vom Samstag darauf ankam: Die Kraft des Einzelnen. Stefano Domenicali, Teamchef der hoffenden und bangenden Scuderia Ferrari, erkannte den Triumph des Deutschen über sein Schicksal neidlos an: „Wenn er in einigen Phasen Glück hatte, dann war es das Glück des Tüchtigen.“

Schafft er es, beim nächsten Rennen in zwei Wochen in Austin/Texas 16 Punkte zwischen sich und den Spanier zu bringen, dann würde er in seinem erst 100. Grand Prix vorzeitig zum dritten Mal in Folge als Weltmeister gekrönt. Alonso sagt immer noch, dass er zuversichtlich ist, den Titel zu holen: „Das beste Rennen des Jahres kommt noch.“

Abu Dhabi-Sieger Kimi Räikkönen schreibt alle Macht dem einen kleinen Fehler zu, der alles entscheiden kann. Und Vettel verweist auf das gerade Geschehene: „Es war eine große Chance für Ferrari und Fernando, aber wir haben es nicht zugelassen.“ Auch Alonso fuhr auf Yas Island mit einem unterlegenen Auto ein beeindruckendes Rennen, aber was nützt es ihm?

Vettel war sogar drauf und dran, noch die Spitze zu erobern. Und referiert über den ungeheuren Spaß, der alle Punktgewinne oder -verluste überwiegen würde: „Ein Mal das Feld von hinten aufzurollen ist schon schwer genug. Aber zwei Mal, das ist etwas Besonderes.“ Es sind vom Wert her kaum schätzbare Bonuspunkte für das Selbstvertrauen.

Noch über den Bordfunk feuerte er seine Boxenmannschaft an, nie den Glauben an sich selbst zu verlieren. Der Dominator der letzten Rennen brillierte anschließend als Motivator: „Wichtig ist es, den sogenannten Rückschlag gar nicht als solchen anzunehmen. Wer nicht niedergeschlagen ist, der muss auch gar nicht wieder aufstehen.“ Da steht einer wie eine Eins.

32 Positionen gut gemacht

Das psychische Tun darf in einem Mannschaftssport wie der Formel 1 nicht unterschätzt werden, erst das unterscheidet gute Fahrer von echten Leadern. Michael Schumacher hat es einst nach fünf enttäuschenden Jahren bei Ferrari vorgelebt, hat aus der Scuderia eine Schumeria gemacht und das Team zum Erfolg geführt.

Sebastian Vettel ist drauf und dran, das Gleiche zu schaffen. Er ist in der Sache hart zu seinen Mitstreitern, aber er steht, wenn es um alles geht, genauso für alles ein, verbringt auch zwischen den Rennen viel Zeit in der Fabrik. Da gibt es keinen Dünkel, keine Hürden. Teamchef Christian Horner, der die Tankpanne auf seine Kappe nahm („Wir haben daraus gelernt“), beschwor den Korpsgeist als probates Mittel gegen alle Anfeindungen und Strafen: „Es war ein schwieriger Tag. Aber wir haben es zusammen ausgebügelt, und zu den Stärken unseres Teams gehört es, dass wir zurückkommen. Ein bemerkenswertes Comeback, das Sebastian geschafft hat.“ Eines, das sogar die Rückkehr seines Badminton-Kumpels Kimi Räikkönen auf die höchste Stufe des Siegerpodestes überstrahlte.

32 Positionen hat Sebastian Vettel während des 18. WM-Laufes gut gemacht. Als bisherige offizielle Bestmarke für Aufholjagden vom Start weg gilt die des Briten John Watson, der 1983 in den USA von Platz 22 aus zum Sieg fuhr. „Wir haben es einfach gewollt“, sagt Vettel, und nimmt an, dass das Wörtchen „Bremse“ bei der Belegschaft in Milton Keynes im Moment gänzlich unbekannt sei: „Da stehen alle voll auf dem Gas. Wir werden voll angreifen in Amerika.“

Gewonnen hat er schon mit Formel-1-Rennen Nummer Neunundneunzig, etwas nämlich, für das es keinen Pokal gibt: Den Respekt. „Dieses Rennen“, bilanziert der Titelverteidiger, „war ein sehr eigenes.“

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