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13. Dezember 2012

Formel 1: Mercedes trennt sich von Norbert Haug

 Von Olaf Bachmann
Norbert Haug konnte sich mit seiner Medienerfahrung stets an vorderster Front beweisen. Foto: imago sportfotodienst

Für viele deutsche Fans war er „Mister Mercedes“ - nun ist die Ära von Norbert Haug in der Formel 1 beendet. Nach einem der sportlich erfolglosesten Jahre muss der langjährige Motorsportchef gehen.

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Für viele deutsche Fans war er „Mister Mercedes“ - nun ist die Ära von Norbert Haug in der Formel 1 beendet. Nach einem der sportlich erfolglosesten Jahre muss der langjährige Motorsportchef gehen.

Die Standardbotschaft zur Trennung wirkte scheinheilig wie so viele Abschiedsfloskeln. Mercedes teilte mit, der Vertrag mit Motorsportchef Norbert Haug werde „in gegenseitigem Einvernehmen“ zum Ende des Jahres aufgelöst. So lange Haug nicht mit einer eigenen abweichenden Version auf den Markt drängt, kann das nur heißen: Sein Arbeitgeber hat ihn mit großzügigen Zahlungen zur Einvernehmlichkeit bewegt. Der frühere Journalist Haug selbst, der bei allen Formel-1- und DTM-Rennen vor Ort weilte, hatte gerade in den vergangenen Wochen regelmäßig seine ungebremsten Ambitionen verkündet.

Damit endet eine überaus erfolgreiche Ära bei Mercedes. Unter Haugs Leitung hat die Marke mit dem Stern über 400 Rennen und 56 Titel gewonnen − alleine sechs in der Formel 1, gemeinsam mit McLaren, und 32 in der DTM. Doch Haug war auch für das bislang nicht sonderlich erfolgreiche Formel-1-Projekt des Werkteams in den vergangenen drei Jahren verantwortlich. Er holte Rekordweltmeister Michael Schumacher aus dem Ruhestand und gab den WM-Titel als Ziel aus. Seitdem gab es allerdings nur einen Grand-Prix-Sieg durch Nico Rosberg im April 2012 in Shanghai.

Stets an vorderster Front

Haug konnte sich mit seiner Medienerfahrung aber stets an vorderster Front beweisen, wenn es galt, Journalisten zu dementieren, die allzu selbstständig etwa das Formel-1-Engagement von Mercedes von Beträgen wie 150 Millionen Euro so realistisch hoch gerechnet hatten, dass die Summe konzernintern Formel-1-Skeptikern oder Arbeitnehmervertretern gegenüber nur schwerlich plausibel zu vertreten gewesen wäre.

Zum Abschied stellte Haug noch einmal klar, dass „wir seit der Gründung unseres eigenen F1-Werksteams seit 2010 unsere eigenen Erwartungen mit einem Sieg 2012 noch nicht erfüllen“ konnten: „Aber die Weichen sind für Erfolge gestellt, und das Team und unsere Fahrer werden alles geben, diese zu erreichen.“

Angesichts des Zeitpunkts des Vorgangs elf Tage vor Heiligabend kamen gestern rasch angebrachte Spekulationen auf, dass Mercedes vorherige spektakuläre Personalie ursächlich für Haugs eiligen Abschied sei: Der dreimalige Weltmeister Niki Lauda war ihm zuletzt als Aufsichtsratschef des Formel-1-Teams in den Augen vieler Experten vor die Nase gesetzt worden, auch wenn Haug tapfer diese Personalentscheidung aus Stuttgart nicht als Herabstufung sehen mochte.

Niki Lauda gerät in die Defensive

Prompt geriet Lauda, dank seiner langen Jahre im Metier und als Experte von RTL nicht minder medienerfahren als Haug, gestern in die Defensive. Der Österreicher Lauda findet, er habe privat wie professionell ein gutes Verhältnis zu Haug gepflegt. „Ich bin total überrascht und habe erst heute davon erfahren“, sagte er dem Bezahlsender Sky, „es tut mir sehr leid, denn ich hätte mit Norbert gerne weiter gearbeitet.“

Gleichwohl argwöhnt die Branche, dass Lauda maßgeblich im Hintergrund an der Entwicklung mitgewirkt hat. Der 63-Jährige fädelte bereits die Verpflichtung des Engländers Lewis Hamilton als Schumacher-Nachfolger für die neue Saison ein. Er ist jetzt der ganz starke Mann bei Mercedes. „Ich denke schon, dass Niki Lauda da Einfluss hatte, der will vielleicht neuen Wind in die Geschichte bringen“, sagte Marc Surer, Formel-1-Experte bei Sky: „Norbert Haug war jetzt 22 Jahre der Chef und hat viel gewonnen. Zuletzt lief es aber nicht gut. Er hat in der Formel 1 das nicht umsetzen können, was so vielversprechend begann. Nach dem Sieg in China wurde es schlechter. Dann hat er noch den DTM-Titel an Neueinsteiger BMW verloren. Das hat natürlich wehgetan und seine Stellung geschwächt. Der Mann arbeitet 110 Prozent. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er nichts mehr macht.“ (BLZ/sid)

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