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15. November 2012

Formel 1: Neustart in den USA

 Von Elmar Brümmer
Rennstrecke in Austin. Foto: dpa

400 Millionen Dollar hat ein texanischer Investor in das Unterhaltungsprogramm Motorsport gesteckt: Der Formel-1-Grand-Prix in Austin soll der Rennserie endlich den Durchbruch in den USA bringen.

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400 Millionen Dollar hat ein texanischer Investor in das Unterhaltungsprogramm Motorsport gesteckt: Der Formel-1-Grand-Prix in Austin soll der Rennserie endlich den Durchbruch in den USA bringen.

Austin –  

Auf den ersten Knick des Circuit of the Americas sind sie stolz, und wenn man weiß, wie stolz Texaner sein können, dann entsprechen die ungefähr 40 Meter, die sich das Asphaltband direkt nach dem Start einen Hügel hochwindet, in etwa der Euphorie, die die Formel 1 in der Hauptstadt des US-Bundesstaates auslöst. Zum ersten Mal seit fünf Jahren ist die Königsklasse wieder zu Gast auf amerikanischem Boden. Und Turn Number one, übrigens made in Germany vom Aachener Rennstreckenarchitekten Hermann Tilke, verkörpert damit noch eine andere Symbolik: Die Königsklasse muss in den Vereinigten Staaten endlich die Kurve kriegen. Auch wenn im konkreten Fall blind eingelenkt werden muss.

Zum ersten Mal wurde für das Comeback eine Rennstrecke exakt nach den Bedürfnissen der Formel 1 geplant (nur die Garagen sollen etwas klein ausgefallen sein, ausgerechnet in XXL-Country). Ein Signal, dass man nicht einfach wie in den Achtzigern auf irgendwelchen Innenstadt- oder Kasinoparkplätzen einen Straßenkurs improvisiert.

400 Millionen Dollar hat ein texanischer Investor in das Unterhaltungsprogramm Motorsport gesteckt, und dass Austin beim vorletzten WM-Lauf der Saison vielleicht sogar die vorzeitige Krönung von Sebastian Vettel zum Hattrick-Champion erlebt, erhöht natürlich die Chance, dass der Grand-Prix-Zirkus einen guten ersten Eindruck macht. Vielleicht einen bleibenden.

Lokalmatador ist ein Mexikaner

Die 120.000 Tickets sind so gut wie weg, der Mexikaner Sergio Pérez aus dem Sauber-Team fungiert als local hero, denn seit fünf Jahren gibt es auch keinen US-Amerikaner mehr unter den Piloten. Aber die Fans rekrutieren sich aus der Abstammung der Einwanderer, das reicht in diesem Land allemal für volle Tribünen. Das generelle Interesse war auch am letzten Austragungsort in Indianapolis nicht schlecht, doch für die Betreiber des heiligen Nudeltopfes waren die Forderungen von Bernie Ecclestone zu hoch. Sie wollten selbst mehr Profit machen und wenig in die Werbung investieren, aber genau das muss im großen Stil für eine aus Europa exportierte Profi-Sportart gemacht werden – die Konkurrenz ist groß.

Ecclestones Ansprüche dürften nicht wesentlich gesunken sein, doch nachdem das Straßenrennen vor der Kulisse von Manhattan vorerst nicht zustande kommt, ist der Brite froh über einen Standort mit Potenzial, auch wenn er in einem weit entfernten Winkel liegt. Aber hier fanden sich eben zwei milliardenschwere Investoren, nachdem der ursprüngliche Initiator nach Geldnot, politischen Ränkespielen und Baustopp aussteigen musste.

Es kann ja nur, und da sind wir wieder bei der ersten Kurve, nur aufwärts gehen. „Die Rückkehr in die Vereinigten Staaten ist für uns ein wichtiger Schritt für unseren Sport und seine Außenwirkung“, sagt Mercedes- Sportchef Norbert Haug, „ein Rennen in den USA gehört zu einer Weltmeisterschaft.“

Die Automobilindustrie hat schon immer Wert auf diesen Übersee-Grand-Prix gelegt, und künftig werden die Rennen wieder bei einem der großen Fernsehsender und nicht mehr im Spartenprogramm gesendet. Das zeigt, dass mit dem Neustart die Aufbauarbeit erst richtig beginnt. Rennsport sind für die meisten US-Sportfans vor allem die Ovalrennen der Tourenwagenserie Nascar. Die Hoffnung der vielen finanziell darbenden Rennställe ruht natürlich auf neuen Sponsoren. Wie oft ist schon Coca-Cola mit der Formel 1 verbunden worden – bevor sich schließlich Red Bull breitmachte.

Eine goldene Gelegenheit

Die Formel 1 im Wilden Westen, das weckt scheinbar Jungenträume. Zumindest lässt sich mit dem Klischee populär gut spielen: „Hoffentlich sehe ich ein paar Cowboys“, sagt der Japaner Kamui Kobayashi. Kimi Räikkönen, der Comeback-Sieger von Abu Dhabi, liebäugelt offenbar mehr mit den Bars und der Lebenslust, für die Austin bekannt ist: „Die Amerikaner wissen, wie man Spaß hat, das mag ich.“

22 Millionen Menschen leben in einem Radius von 180 Meilen, das hat den Standort in Wirklichkeit so interessant gemacht für die Grand-Prix-Premiere – auch wenn es zunächst nur eine Zufahrtsstraße an die erst im September geteerte Strecke gibt. „Ich kann Gott nur dafür danken, dass es die Texaner gibt“, sagt Mario Andretti, der auch „europäisches Flair“ verspricht. Der einzige Rennfahrer, der Formel-1-Weltmeister und Indycar-Champion war, ist offizieller Botschafter des Circuit of the Americas. Also patriotisch und parteiisch. Aber nicht nur McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh möchte dem Zweckoptimismus nur zu gern trauen: „Das ist die goldene Gelegenheit für unseren Sport, endlich Wurzeln zu schlagen und ein langfristiges Zuhause zu finden.“ Die Formel 1 und ihr amerikanischer Traum.

Gefahren wird gegen den Uhrzeigersinn auf einer Art Best-of-Piste aus der Feder der Aachener Baumeister, mit vielen aufregenden Abschnitten, die sich an anderen Kursen orientieren. Die Strecke besitzt mehr Kurven mit über 250 km/h als Spa und mehr Kurven unter 100 km/h als Ungarn. Ein Asphalt-Ritt zwischen den Extremen also. Sebastian Vettel und Fernando Alonso, die durch zehn Punkte getrennten Titelrivalen, haben tagelang im Simulator virtuell an ihrer Ideallinie gearbeitet, Mercedes-Pilot Nico Rosberg, dessen Vater 1984 in Dallas siegte, spulte fünf komplette Renndistanzen ab. Aber die Wirklichkeit wird, gerade im Hinblick auf die Reifen, vermutlich viele neue Herausforderungen stellen. Durchaus solche, die das große Duell mitentscheiden können. Unbegrenzte Möglichkeiten eben.

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