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23. November 2012

Formel 1 Saisonfinale: Schumachers Abschied, Teil zwei

 Von Elmar Brünner
Am Sonntag fährt Michael Schumacher sein letztes Formel 1-Rennen. Foto: dapd

Michael Schumacher verlässt nach frustrierenden Jahren bei Mercedes am Sonntag in Brasilien den Formel-1-Zirkus. Diesmal wohl für immer.

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Die L’Uomo Vogue, Italiens Zentralorgan für Mode am Mann, hat ihren Erscheinungstermin verschoben. Aus gegebenem Anlass. Dem Tedesco, diesem Deutschen, der zwei Jahrzehnte lang die Formel 1 dominiert hat, widmen sie eine ganze Ausgabe. Eine Hommage an Michael Schumacher, vor dem – im besten Fall – noch einmal 305,909 Rennkilometer liegen. Seine letzten. Ein Ereignis, dass es beinahe mit der Titelentscheidung zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso aufnehmen kann. Beim verbalen Warm-up für den Großen Preis von Brasilien braucht Schumacher, vermutlich der effizienteste Rennfahrer der Welt, nicht mal eine Minute, um im Stakkato zusammenzufassen, was vor ihm liegt: „Ich will noch einmal das Beste daraus machen. Nein, ich bin nicht traurig. Ich habe versucht, auch den zweiten Abschnitt meiner Karriere erfolgreich zu gestalten, aber das hat nicht so funktioniert wie gedacht. Jetzt beginne ich noch einmal ein neues Leben.“

Froh, dass alles vorbei ist

Schumi, das war’s? „Es waren gute Jahre, aufregende Jahre. Nach fünf Jahren dachte ich eigentlich schon ans Aufhören“, gesteht Schumacher, „aber dann wurden es am Ende doch 21 Jahre.“ Der Blick zurück im Zorn, er liegt dem 43-Jährigen nicht. Rückspiegel sind für ihn so ziemlich die nutzlosesten Autoteile, und so hat er auch beim Neustart mit dem vermeintlichen deutschen Dream Team von Mercedes nie den Maßstab angelegt, den seine sieben Titel und 91 Siege vorgaben. Allerdings: Alle anderen haben eine ähnliche Serie erwartet. Inzwischen ist er froh, dass es vorbei ist − so richtig geglaubt hat er nicht mehr, dass er mit der Marke, bei der 1990 seine Profi-Karriere begann, ganz nach vorn kommen würde. Auch ein Rekord-Weltmeister kann nur so gut sein wie sein Dienstauto.

Eine Poleposition, ein dritter Platz in 57 Anläufen, das war weit weniger, als zu erwarten war. Viel zu wenig für einen Mann aus der Champions League. Da war Frust, da kommt vielleicht noch Wehmut, aber in den vergangenen Jahren hat Michael Schumacher eine neue Formel gelernt, um mit weniger zufrieden sein zu können. Sie lautet: „Warum soll ich mir Gedanken um Dinge machen, die ich nicht ändern kann.“ Ein Schutzmechanismus für seine wahren Gefühle. Und Ausdruck dessen, dass er im Umgang generell offener geworden ist.
Im Autodromo Carlos Pace sitzt er in der ersten Reihe des Talk-Podiums, Sebastian Vettel zu seiner Linken, rechts Fernando Alonso. Das Lob dröhnt in seinen Ohren, es kommt von beiden Seiten: „Es war ein Privileg, dass ich so viele Jahre gegen ihn fahren konnte, erst von ihm zu lernen, dann mit ihm zu kämpfen“, sagt Alonso, der sich 2005 und 2006 – gegen Schumacher im Ferrari – den Titel sichern konnte. „Er war der Held meiner Kindheit, von uns allen auf der Kartbahn in Kerpen – und meine Inspiration, Rennfahrer zu werden“, gesteht Vettel. „Als ich ihn das erste Mal getroffen habe, wusste ich nicht, was ich sagen sollte – ich wollte nichts Dummes fragen. Er schien so weit weg, und heute sind wir Freunde. Schade, dass ich in den letzten drei Jahren nicht so mit ihm kämpfen konnte, wie es Fernando tun konnte.“

Wenig Emotionen

Michael Schumacher tut sich grundsätzlich schwer mit Prognosen, weshalb die Erwartungen für sein finales Wochenende als Rennfahrer auch mit Vorbehalt zu werten sind: „Der Abschied von der Formel 1 wird diesmal für mich wahrscheinlich weniger emotional sein als 2006, weil wir damals noch im WM-Kampf steckten und alles dadurch viel intensiver war. Aber diesmal werde ich den Abschied dafür bewusster wahrnehmen – und hoffentlich auch genießen können.“ Das wäre dann die perfekte Vorbereitung für das, was vor ihm liegt: Familie, Fallschirmspringen, vor allem aber: Freiheit. Große Freiheit.

Wie er die definiert, wird seine Sache sein. Rennfahrer-Kollege Jenson Button hat sich so seine Gedanken gemacht: „Ich hoffe, dass Michael nicht noch einmal zurückkommen muss. Es ist an der Zeit, eine andere Beschäftigung zu finden, aber das ist immer schwierig. Es wird Zeit und Mühe brauchen, das entstehende Loch zu füllen.“
In der Formel 1 hinterlässt Schumachers Abschied eine Lücke, deren Ausmaß noch nicht zu übersehen ist. Bei allen Rennen in Übersee, gerade im Zuge der Expansion, konnte Bernie Ecclestone die Karte Schumi spielen, um die Antrittsgelder in die Höhe zu treiben. Besonders in Asien steht er als menschlicher und sportlicher Ausdruck für „made in Germany“. Als er beim ersten Grand Prix in Schanghai patzte, warfen ihm die Medien dort vor: „Wie konnten Sie nur verlieren ...“

Indiskutable Bilanz

Auch das Mercedes-Team muss sich ohne den großen Antreiber neu aufstellen. Sportchef Norbert Haug behauptet, dass er Schumacher jederzeit wieder verpflichten würde. Gegeben hat er den Kontrakt Ende September allerdings Lewis Hamilton. Er nahm dem zaudernden Weltstar damit die schwierige Entscheidung ab, ob er sich auf ein weiteres Abenteuer in Silber einlassen sollte. Überzeugt war Schumacher nicht, zumal er in den drei Lehrjahren des Konzernteams die meisten Prügel abbekommen hatte.

Seit Schumacher seinen Ausstieg erklärt hat, hat das Mercedes-Team fünf Nullnummern in Serie abgeliefert – eine indiskutable Bilanz. „Da gibt es nichts, was wir schönreden könnten oder wollten“, sagt Schumacher. Er mag nachsichtiger geworden sein in seiner zweiten Karriere, aber ein Realo ist er geblieben. Platz 16 wie zuletzt beim Großen Preis der USA soll nicht der Schlusspunkt einer einmaligen Rennfahrerlaufbahn sein: „Am liebsten wäre mir natürlich, wenn ich mich mit einem schönen Rennen verabschieden könnte.“ Zumindest sein Lächeln wird gewinnend bleiben.

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